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Montag, 30. Mai 2016

Bullshit Only Output


Nebenbei gesagt:

Mitfühlende Menschen haben offenbar das Bedürfnis, andere verstehen zu wollen. Treffen Mitfühlende auf eine bestimmte Art von Menschen, führt dies allerdings hin und wieder zu einem Debakel:

Benannte Menschenart benimmt sich irgendwann äußerst schädlich. Daraufhin versucht der Mitfühlende den anderen zu verstehen, seine/ihre Beweggründe herauszufinden, man stellt sich die Frage: "Warum benimmt der/die sich scheiße?"

Doch genau darin liegt der Fehler: Wenn ich überlege, was in dem anderen vorgeht, lege ich meine Maßstäbe zugrunde. Ich nehme unterschwellig an, dass ich den anderen verstehen kann, dass er wenigstens ansatzweise so denkt, wie ich.

Geisteskranke denken aber nicht so. Von außen gleicht deren Kopf eher einer großen Rührmaschine. Sie nehmen vernünftige Eingaben und ziehen diese dann durch die Suppe ihrer verkorksten Gehirnwindungen. Das Ergebnis ist dann nicht unmittelbar nachvollziehbar, sondern eher etwas, das wie zufälliger Schwachsinn aussieht, auf den kein vernünftiger Mensch je kommen könnte:

BOS, Bullshit-Only-Output.

Es ist erstaunlich, wie lange es dauert, bis man das begriffen hat. Danach lebt es sich aber deutlich leichter. Leider ist die Erkenntnis, dass unter uns so einige Geisteskranke einem "fröhlichen" Leben frönen leider nicht weit genug verbreitet.

Sind wir also wieder bei zwei Grundformeln der sozialen Erkenntnis:
  1. Es gibt Arschlöcher
  2. Es gibt Arschloch-in-Schutz-Nehmer
Es darf gewürfelt werden, wer von beiden mehr Schaden anrichtet.

Samstag, 21. Mai 2016

Zwei Welten

Begeben wir uns in zwei unterschiedliche Welten, wobei die eine dieser Welten von der anderen nichts wissen will.

Die erste Welt, dass ist die Welt der "neuen" Arbeit, des "demokratisierenden" Managements. Die Werte dieser Welt sind
  • Agilität und Reaktionsfähigkeit
  • Produktivitätssteigerung
  • Transparenz
Es ist die Welt der Globalisierung und der Profitmaximierung, eine Welt in der Mitarbeiter viel mehr Verantwortung tragen als jemals zuvor.

Es ist auch eine Welt der Extremkommunikation und Extremtransparenz. Weil jeder schnell reagieren muss, das Ergebnis aber von allen abhängt, muss immerzu kommuniziert werden und alle müssen zu jedem Zeitpunkt über wenigstens ihren direkten Umkreis im Detail informiert sein, um schnell reagieren zu können, wenn sich Anforderungen ändern. Gleichzeitig muss sich der einzelne auch dauernd fort- und weiterbilden, weil sich sonst die Welt an ihm vorbeibewegt.

Es ist auch eine Welt, in der viel und oft gemessen und anhand der Messungen der Kurs regelmässig angepasst wird. Es ist eine Welt, die schnell reagieren kann.

Die zweite Welt, das ist die Welt der Leute, die in der ersten Welt arbeiten. Es ist eine Welt, in der der einzelne
  • viel Verantwortung
  • wenig Entscheidungs- und Handlungsautonomie
  • wenig Kommunikations-Autonomie

besitzt.

Es ist eine Welt, in der vor allem reagiert wird. Der globalisierte Markt bestimmt die Geschwindigkeit und alle müssen in demselben Tempo mitmachen.

Mehr Produktivität bedeutet, dass die Menschen in dieser Welt mehr leisten müssen. Vor allem heißt es aber auch, dass sie für größere Aufgabenbereiche verantwortlich sind. Der Marktdruck und die zunehmende Industrialisierung auch von reiner Wissensarbeit nimmt ihnen aber immer mehr die Spielräume, nach ihren eigenen Vorstellungen zu arbeiten. Das Fließband ist inzwischen im Büro angekommen.

In dieser Welt haben Organisationen vor der Informationsflut nicht nur kapituliert. Sie geben das nicht so, sondern haben stattdessen die Informationsflut zur neuen Gottheit erklärt. Information prasselt ungefiltert und unstrukturiert auf den Einzelnen ein. Die Welt bewegt sich so schnell, dass ein Vorsortieren und Strukturieren gar nicht mehr möglich ist; das ist jedem --genau wie die persönliche Weiterbildung-- nun selbst überlassen
Es ist eine Welt, in der der Versuch, den Informationsfluss von und zur eigenen Person zu steuern als unverantwortlich gilt und (daher) heftig sanktioniert wird. Diese Welt fordert dauerndes Umdenken, dauerndes Reagieren, dauernde Veränderung, dauerndes Kommunizieren und dauernde, tiefgehende Transparenz.

Es ist eine Welt, in der jeder Fehltritt und jedes (zeitweise) Nachlassen in den Anstrengungen (wenigstens) im unmittelbaren Umkreis sichtbar werden. Es ist eine Welt sozialen Drucks und psychischer Fehlbelastung.

Die erste Welt bestimmt und verursacht die zweite Welt. Gleichzeitig fühlt sie sich aber weder verantwortlich noch sieht sie Änderungsbedarf.

Und selbst wenn einige den Unsinn der Strukturen erkennen: sie sind machtlos. Die erste Welt hat sich selbst so strukturiert, dass keine Gegenströmungen mehr zugelassen werden können. In globalisierten Strukturen setzt sich jeder gegenseitig unter Druck-Sie können nicht langsamer machen, denn die Konkurrenz schläft nicht. Sie können den Arbeitern nicht mehr Autonomie geben, denn Autonomie macht sie ineffizienter. Das Diktat des Kapitals und des Wachstums ist übermächtig.

Vielleicht ist es auch deshalb so, dass sich die erste Welt ihre Verursacherrolle gerne wegargumentiert. Arbeitsbedingungen sind kein Ursache für Burnout und Depressionen hört man da. Es gibt dafür keine belastbaren Daten, für das Gegenteil hingegen schon. Behauptet wird es von Arbeitgeberseite trotzdem.

Doch einige moderne Managementmethoden noch viel perfider: Sie machen die Arbeitenden zu Mitarchitekten ihrer eigenen Ausbeutung. Unter dem Deckmantel "Demokratisierung der Arbeitswelt" wird Verantwortung nach unten abgeschoben und Organisationsstruktur abgebaut. Gleichzeitig erhöhen sich aber der Arbeitsdruck und die Kommunikationsintensität. Die besten der besten Methoden sorgen dann auch noch für "Peer Group Pressure". Der Druck kommt dann nicht vor oben, sondern vor allem von den Kollegen.

Modernes Management erhöht also die Stressoren und nimmt Arbeitenden Rückzugsräume. Das Resultat ist erhöhte Produktivität bis zum Zusammenbruch des Einzelnen. Dieser wird dann ausgetauscht, denn für Austauschbarkeit hat man im Systemkonzept auch gleich mit gesorgt. Das geschieht übrigens auch unter einem Deckmantel: Agilität und Arbeitsverdichtung erfordern massive Kommunikation und kleinteilige Transparenz. "Informationssilos" sind angeblich ineffizient.

Denken wir weiter: Da man jeden Einzelschritt an das Team kommuniziert und im Team möglichst alle alles können sollen, kann im Prinzip jeder dort ansetzen wo der andere aufgehört hat. Konstrukte wie "Scrum" schreiben sich das auch gleich auf die Fahnen: Abbau von Silos, Weiterentwicklung gibt es für die Teammitglieder nur in die Breite, in die Tiefe darf es nur ganzheitlich gehen. Es gibt keine Experten mehr, jeder ist nur Fließbandarbeiter.

Der netten Effekt, dass jeder von diesen volltransparenten Kleinschritt-Mitarbeitern beliebig austauschbar ist, wird gleich als Bonus mitgenommen.