Mittwoch, 25. November 2015

Schönrederei

Zur Flüchtlingskrise kann man in zwei Lager trennen.
  • Einwanderung in Sozialsysteme
  • Wirtschaftsflüchtlinge
  • Islamisierung
und
  • Kulturelle Bereicherung
  • Die demographische Entwicklung erfordert Zuwanderung
  • Wirtschaftlicher Gesamtnutzen
Beide sind sich spinnefeind und so wirklich für voll nehmen kann ich keine der beiden Extreme.

Was mir dennoch auffällt ist eine allgemeine Unfähigkeit zu rechnen, zu lesen und Aussagen (v.a. in längeren Studien) differenziert zu betrachten.

Oder mit anderen Worten: Mir graust es vor Ignoranz, (emotionalen) Scheuklappen, Arroganz, Missionierungsbedürfnissen und dem Versuch von guter alter emotionaler Erpressung.

 

 Ein Migrant bringt der Deutschen Wirtschaft mehr als er den Staat kostet

Meistens wird zu dieser Aussage die Bertelsmann-Studie "Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwanderung zum deutschen Staatshaushalt" von Holger Bonin zitiert.

Ich gewinne allerdings den Eindruck, dass die Zitierenden nur die erste Textseite lesen, auf der steht
Rechnet man alle Sozialtransfers inklusive der Ausgaben für Bildung und Bildungsförderung, die die 6,6 Mio. in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländer 2012 erhalten haben, gegen die Steuern und Abgaben, die diese Gruppe im gleichen Jahr dem Staat überwiesen hat, bleibt dem Staat ein Nettogewinn von 3.300 Euro pro Kopf.
 und jetzt nochmal, für weniger Bedarfte
Rechnet man alle Sozialtransfers inklusive der Ausgaben für Bildung und Bildungsförderung, die die 6,6 Mio. in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländer 2012 erhalten haben, gegen die Steuern und Abgaben, die diese Gruppe im gleichen Jahr dem Staat überwiesen hat, bleibt dem Staat ein Nettogewinn von 3.300 Euro pro Kopf.
Aber
  • Der Wert geht von den sich 2012 in Deutschland befindlichen Ausländern aus.
  • Der Wert geht von der Ausbildungsverteilung der Ausländer in Deutschland im Jahr 2012 aus
  • Der Wert beschränkt sich auf die Bewertung direkter Transfers plus Bildungsausgaben
Auf Seite 42 derselben kommt dann nämlich
Gewichtet man die Kohortensalden der lebenden Generationen mit der jeweiligen Altersstruktur der beiden Bevölkerungsgruppen, verschlechtert die deutsche Bevölkerung des Jahres 2012 das intertemporale Staatsbudget pro Kopf um durchschnittlich 3.100 Euro, die ausländische Bevölkerung pro Kopf um 79.100 Euro [Gesamtbilanz über den Lebenszyklus].

Ein Einheimischer erzeugt also im Laufe seines Lebens 25 mal weniger Staatsverschuldung als ein Einwanderer. Das ifo Institut kommt auf ähnliche Zahlen, nämlich auf ein Defizit von 1.800 € pro Migranten pro Jahr. Es ergeben sich beim Zusammenrechnen 44 in Deutschland verbrachte Lebensjahre. Das scheint mir etwas hochgegriffen, aber kann beim jungen Alter der Migranten durchaus hinkommen.

1. Zwischenfazit: Die linke Presse ist voll von Journalisten, die schlecht recherchieren, das erstbeste für sie gefällige Argument zitieren und offenbar auch noch Lese- und Rechenschwierigkeiten haben.

 

Flüchtlinge (vor allem aus Syrien) sind größtenteils gebildet

Diese Behauptung basiert vermutlich auf der Tatsache, dass die erste Welle der Flüchtlinge aus Syrien die Gutgebildeten, vormals Gutverdienenden waren, die sich eine frühzeitige Flucht leisten können.

Die Daten der Bertelsmann-Studie geht vom Bildungsniveau der sich 2012 in Deutschland aufhaltenden Ausländer aus. Diese Daten werden aber völlig hinfällig, wenn sich die Ausländerzahl innerhalb eines Jahres auf 123% (bei 1,5 Millionen Migranten) und im Folgejahr vermutlich auf 145% erhöht. Bei derartig hohen Zahlen ist jede Statistik aus der Vergangenheit Makulatur.

Dass 2015 aber jetzt nicht 1.500.000 Ingenieure und Ärzte einwandern, sollte klar sein. Dennoch sind im September noch folgende Zahlen im Umlauf: 25% haben einen Abschluss von oder waren auf einer Hochschule, weitere 25% haben die Hochschulreife. 23% haben mittlere Schulbildung und 17% waren wenigstens auf einer Grundschule. Nur 8% waren ohne Schulbildung.

Das ifo-Institut hat deshalb beim türkischen Amt für Katastrophen und Notfallmanagement (AFAD) nachgefragt, wie der Bildungsstand in Flüchtlingslagern aussieht. Allein für syrische Flüchtlinge gilt nach diesen Zahlen:
  •  8,9% mit Hochschulabschluss
  • 11,1% mit Hochschulreife
  • 21,6% mit Hauptschulabschluss
  • 34,5% mit Grundschulabschluss
  •  7,8% ohne Schulabschluss
  • 16,1% Analphabeten

Die 50% Hochqualifizierten oder schnell Hochqualifizierbaren, die man sich mit vorher genannten den Zahlen herbeigelogen hat, existieren wohl nicht, bzw. selbige sind schon da.

Die notwendigen Bildungs- und Ausbildungskosten bis die Betroffenen produktiv etwas zu unserer Gesellschaft beitragen können, sind enorm und sie kommen für die nächsten Jahrzehnte auf uns zu.

Hans Werner Sinn, der nicht-mehr-Chef des ifo Instituts bringt es dann auch auf den Punkt:
So wie die Migration in Deutschland derzeit läuft, ist sie für den Staat ein Verlustgeschäft.

Das liegt einfach daran, dass die Migranten im Schnitt nur über eine geringe Qualifikation verfügen, wenig verdienen und somit von der Umverteilungspolitik des Staates profitieren.
Allerdings relativiert er seine Aussage gleich darauf:

Ich sage aber nicht, dass die Migration für das Land insgesamt negativ ist. Neben den fiskalischen gibt es positive volkswirtschaftliche Effekte der Migration, vor allem auf dem Arbeitsmarkt. Die stehen völlig außer Frage.

2. Zwischenfazit:  Wenn die Presse und selbsternannte Experten versuchen zu rechnen, bleibt es bei einfachen Grundrechenarten. Komplexe Sachverhalte werden regelmäßig unzulässig vereinfacht oder vorhandene Tatsachen werden ignoriert. Das Resultat sind nutzlose Ergebnisse, die man nur als "Propaganda" bezeichnen kann.

 

Wer für einschränkende Zuwanderungspolitik ist herzlos und ein Nazi

Dass Deutschland Hilfe leisten kann liegt an seiner Wirtschaftskraft, vor allem an der Produktivität seiner Bevölkerung. Es ist leider so, dass jeder Migrant, den wir aufnehmen und der nicht zu unserer Wirtschaft mit positiver Bilanz beiträgt, diese Fähigkeit reduziert. Und wenn ein  Thomas de Maizière sagt, Syrer sind eigentlich keine Asylanten, dann hat er damit Recht. Das AsylG (auch das geänderte) sagt ganz klar: Personen, denen Gefahr an Leib und Leben droht werden nicht verfolgt, sie sind keine Asylanten und keine Flüchtlinge. Sie sind subsidiär schutzberechtigt. Aber diese Feinheiten gehen an den gefühlsduseligen, zu langfristigem Denken Unfähigen unter uns offenbar gerne vorbei.

Der effektivste Weg wäre es gewesen, die Fluchtursachen zu bekämpfen, also zum Beispiel alles dafür zu tun, dass in Syrien schleunigst wieder Frieden herrscht. Danach muss man investieren und das Land wieder aufbauen, um den Leuten dort eine Perspektive zu geben. Zeitgleich hätten man in die Flüchtlingslager in der Region investieren, um den jetzt nochmals Geflohenen eine Perspektive in Heimatnähe anzubieten. Die Chance hat man allerdings vermutlich inzwischen für immer versäumt.
Es tut mir selbst in der Seele weh, aber es ist nun einmal so: Jemanden, der keine Chance hat, mit positiver Bilanz zum Deutschen Staat beizutragen, in dem Staat durchzufüttern, der bei den Lebenshaltungskosten an 22. Stelle im weltweiten Vergleich liegt, ist einfach dämlich. Im Vergleich zum vorbürgerkrieglichen Syrien ist das Leben in Deutschland auch nach der gutmütigsten Vergleichsmethode mehr als doppelt so teuer. Wenn man sich überlegt, dass Deutschland 2015 quasi 1,5 Millionen Einwohner gewonnen hat, sollte man damit rechnen, dass der Unterschied eher noch nach oben geht. Stichwort: Mietkosten und (zu erwartende) Steuererhöhung.

Doch von links wird man für solche Sachlichkeit gerne als "herzloser, unmenschlicher Nazi" beschimpft. Ich kann solche Leute dann einfach nicht mehr ernst nehmen. Ich hänge da dann doch lieber an den Leuten, die etwas weniger idealistisch und mehr realistisch verankert sind. Diese Position ist hart erkauft. Ich wäre auch gerne wieder idealistischer, aber Idealismus muss man sich auch leisten können.

Aktuell haben wir ungesteuerte und unkontrollierte Massenzuwanderung. Nach den bisherigen Daten (zu wenige) sind die Zuwandernden zum größten Teil auch noch niedrig qualifiziert, nach dem Zahlen des ifo Instituts haben vielleicht bis zu 60% nur den formalen Bildungsstand von Zehnjährigen. Die Integration der Betroffenen allein auf Bildungsebene  wird viel kosten und Jahre oder Jahrzehnte lange dauern.

Himmelherrgott. Natürlich sind die meisten davon vermutlich schutzbedürftige Menschen, die vor einem Bürgerkrieg oder aus Angst um Leib und Leben flüchten. Es sind aber (per definitionem) oft keine Flüchtlinge, sondern Schutzberechtigte. Sie brauchen Hilfe und wir sollten unser Möglichstes versuchen, ihnen zu helfen. Welche Hilfe die sinnvollste ist und wo die Grenzen der Möglichkeiten sind, sollte man immer mitbedenken.

Uns geht's doch gut, wir können uns das leisten

So sehr es sich (momentan) noch als Verschwörungstheorie anhört: So weit ist der Gedanke "Flüchtlinge als geopolitische Waffe" nicht weg. Das Buch dazu heißt "Weapons of Mass Migration" von Kelly Greenhill und dort wird nicht nur spekuliert.

Es gibt durchaus Parteien, die ein Interesse daran haben, Deutschland zu destabilisieren, seiner Wirtschaftskraft zu berauben oder sogar in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Europa als ganzes und seine (derzeitige) Führungsnation sind zu mächtig, es gibt schon lange Spekulationen, dass der Euro als Leitwährung den Dollar ablösen könnte.

Europas wirtschaftliche und finanzielle Situation ist derzeit keineswegs stabil. Seit fünf Jahren nagt die Schuldenkrise an den Fundamenten der Gemeinschaft. Ein Großteil von Europa lebt momentan von Krediten. Das einzige Land in Zentraleuropa zu destabilisieren, das momentan sein Defizit abbaut, liegt nahe, wenn man Europa als ganzes klein halten will.

Auf der anderen Seite stehen Milliardeninvestionen, die noch dazu mit hohem Risiko verbunden sind. Manche Wirtschaftswissenschaftler sprechen von Beträgen bis zu einer Billion Euro (900 Milliarden) und dies auch unter dem Vorbehalt, dass sich Migranten innerhalb von sechs Jahren in den Arbeitsmarkt integrieren lassen.

Die Prognosen gehen dahin, dass 90% aller Flüchtlinge in den ersten zwei Jahren und nach fünf Jahren immer noch 50% arbeitslos sind. Die Betroffenen haben auch in Deutschland keine dauerhafte Perspektive. Sie sind aber trotzdem da. Wenn allein in den nächsten zwei Jahren 3 Millionen Menschen einwandern bedeutet das 1,5 Millionen neue Arbeitslose. Ein Arbeitsloser kostet den Staat pro Jahr 17.900 €, bei Migranten aufgrund der notwendigen, zusätzlichen Bildungsausgaben eher mehr. Es ergibt sich eine Summe von fast 27 Milliarden Euro.

Doch auch unser eigenes Rechtssystem stellt uns vor ein Problem, denn  wahren Zahlen sind vermutlich noch viel höher: Holt jeder der Migranten im Schnitt vier bis acht Familienmitglieder nach, so wird nach Behördenschätzungen mit 7,36 Millionen Migranten gerechnet. Ist die Hälfte davon arbeitslos (und es wird vermutlich mehr als die Hälfte sein), sind wir mit einfachster Hochrechnung bei 66 Milliarden Zusatzkosten pro Jahr. Bei solchen Beträgen sind  Steuererhöhungen oder neue Schulden vermutlich nicht mehr zu vermeiden.

Begrenzt man nun den Familiennachzug, ist das aber sozialer Brennstoff ohne Ende. Und dabei ist die zunehmende Verarmung und Verwahrlosung unter den Arbeitslosen in Deutschland (34,6 %), die es jetzt schon gibt, noch nicht einmal mit berücksichtigt.

Massenmigration ohne Steuererhöhungen? KVV, kannste vermutlich vergessen. Es kursieren Gerüchte von Steuererhöhungen zwischen 5,0% und 6,6%. Dazu kommen erwartungsgemäß erhöhte Zusatzbeiträge für die Krankenkassen und für die Arbeitslosenversicherung. Der erhöhte Steuersatz bedeutet beim Durchschnittsbrutto von 31.981 € pro Monat pro Person 133 €. Für die "Reichen" an oder über der Beitragsbemessungsgrenze sind es übrigens dann 290€. Laut Statistikist dies dann ziemlich genau die Hälfte der Sparquote.

Doch (noch) ist das Zahlenwerk brüchig: Es ist nicht klar, wie viele Migranten in Deutschland bleiben werden und wie viele Familienmitglieder nachgeholt werden (können). Bekannt ist nur, dass einige Familien gezielt ihre minderjährigen Söhne auf die Reise geschickt haben, weil diese die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit haben und eben weil sie ihre Eltern nachholen dürfen.

Auch das ist Teil der Flüchtlingskrise. Es ist ein brutaler, menschenverachtender Teil, aber ihn wegzuignorieren hilft auch nicht. Die Welt ist kein sozialistisches Märchen. Wer helfen will muss leider auch rechnen, ob er sich die Hilfe leisten kann.

3. Zwischenfazit: Mitgefühl ist etwas Wunderbares. Der Wunsch zu helfen ebenso. Selbstlose Hilfe ist ein gutes Ideal. Doch jeder Helfer ist auch verwundbar. Wer zu viel Helfen will, schadet letztendlich sich selbst und anderen, weil er dann nicht mehr helfen kann.

Das Ding mit der Rente

Eine geordnete Zuwanderung, vor allem junger Menschen wäre wünschenswert. Insbesondere, wenn diese sich günstig hochqualifizieren lassen (oder schon sind). Dann würde sich nämlich die hiesige Alterspyramide (wenigstens teilweise) ausgleichen. Das würde zukünftige (also dann u.a. meine) Rentenkassen entlassen. Warum die ungeordnete Zuwanderung dieses Problem eher verschlimmert als löst, steht schon oben: Ein Migrant erhöht das Staatsdefizit eher, als dass er es verringert. Und es besteht ja bereits jetzt das Problem, dass viele Einheimische nicht hinreichend qualifiziert sind, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen (während diejenigen, die notwendige Qualifikationen haben, sich totarbeiten, aber das ist ein anderes Thema).

Das Grundrecht auf Asyl kennt keine Grenzen. Unsere Lebensrealität leider sehr wohl. Die Unmenschlichkeit unserer Mitmenschen wohl weniger.

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