Mittwoch, 16. September 2015

Lernschwächen und das ungute Gefühl bleibt ...

Es gibt bei den "Gestörten" (und ja, ich verwende dieses Wort weiterhin, ich finde es ist angebracht), so einige Verdrehtheiten, die deren Verhalten schwer greifbar macht. 

Vieles ist natürlich "nur" Gaslighting, sprich gezielte Irreführung zur Verunsicherung und Destabilisierung des Gegenübers. Auf der anderen Seite gibt es auch Fragen, die sich tatsächlich schwierig beantworten lassen:

  1. Soziopath zu sein scheint fast wünschenswert zu sein, denn selbige sind nicht von ihren Emotionen (wenn sie denn welche haben) abhängig. Sie handeln also vermeintlich immer rational ohne Gefühlsduseleien. Welche Defizite haben Soziopathen dennoch?
  2. Wenn Narzissten wenig Empathie haben, warum sind sie dann oft so erfolgreich (emotional) manipulativ?
  3. Wenn manipulative Narzissten vor allem Schall und Rauch sind, also wenig echte Leistung bringen, warum sind sie so erfolgreich?

Die Antwort auf (1) ist schwer.

Die mangelnde Berücksichtigung der Wünsche und Gefühle anderer macht ihnen das Handeln zum eigenen Vorteil deutlich leichter, es gibt in ihrem Denkmodell viel weniger Aspekte, die sie für berücksichtigenswert halten. Außerdem empfinden sie weniger sozialen Stress, sie haben keine Versagensängste, Nervosität ist ihnen fremd. Auf einen Soziopathen kann man keinen "Druck" ausüben, denn er nimmt einen ohnehin nicht für voll.

Und das hört sich für viele von uns ganz praktisch an. Angst und Nervosität einfach abschalten? Her damit! Die Soziopathen selbst erklären ihre Störung auch wohl meistens eher zum deutlichen Vorteil denn zum Problem.

Doch scheinbar können sie, wenn sie theoretisch wollen: Soziopathen besitzen nach aktuelleren Forschungen einen inneren "Empathieschalter", den sie mehr oder weniger auf Wunsch ein- und ausschalten können. Emotionen auf Wunsch? Hört sich noch besser an!

Gesellschaftlich gesehen sind Soziopathen allerdings ein großes Problem. Sie sind parasitär, sie nehmen Leistungen von außen an, einen eigenen, produktiven Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten, erscheint für sie aber nicht sinnvoll. Um diese Entstellung zu entwickeln braucht es wohl den "Zwang" der Empathie und genau die ist bei ihnen nicht so entwickelt wie bei anderen.  Sie begreifen auch oft nicht, wie andere reagieren oder können oft nicht abschätzen, welche Folgen die eigenen Handlungen haben. Es ist ihnen also oft nicht nur egal, was sie anderen antun, sie haben auch Schwierigkeiten, Schlussfolgerungen in der Form von "das ist passiert, weil ich dies getan habe". Das Lernen aus negativen Erfahrungen ist bei ihnen hochgradig eingeschränkt. Letztendlich kann man sie nur mit Gewalt (auch Wegsperren ist Gewaltanwendung) ausbremsen.

Doch Soziopathen handeln mitnichten durchgehend rational. Die "Soziopathie" oder "Psychopathie" ist in der Hinsicht mit dem instrumentell-dissozialen Subtypen der dissozialen/antisozialen Persönlichkeitstörung gleichzusetzen. Soziopathen sind daher ziellos, verantwortungslos und oft impulsiv.

Die Betroffenen haben enorme Schwierigkeiten die (v.a. moralischen) Folgen ihrer Handlungen abzuschätzen. "Warum genau ist Mord jetzt genau ein größeres Problem als Ladendiebstahl?" "Warum in der Schlange anstellen statt vordrängen? Ach so, wenn das jeder macht? Dann gewinnt der schnellste/stärkste und das bin doch sicherlich ich." "Ich lüge, um eine Zigarette zu erschnorren und ich Lüge, um jemanden um sein Erspartes zu bringen? Wo ist der Unterschied? Ich sehe ihn nicht!"

Es fehlt der moralische Kompass und die  Fähigkeit die Funktion sozialer Normen zu begreifen. Hin und wieder (sprich spätestens nach einiger Zeit) führt dies natürlich zu größeren Problemen, denn der Soziopath ist ja nicht alleine auf der Welt.

Auf der andere Seite sind sie eiskalt und können sich gut aus problematischen Situationen herauswieseln. Lügen, Betrügen, Nepper, Schlepper, Bauernfänger das ganze Programm. Doch Begreifen und Verinnerlichen, warum sie aber jetzt wieder in eine problematische Situation gerutscht sind und wie sie ähnliche Probleme in Zukunft vermeiden, können sie aber wohl nur sehr schwer. Wenn Sie überhaupt verstehen, dass sie ein Problem haben, denn wenn es Konflikte gibt, dann ist das nunmal so und  man muss entsprechend handeln (wir wissen ja, überzogenes Selbstbewusstsein, Soziopathen können in ihrem Kopf mit Situation souverän umgehen). Und wenn einer querschießt, dann ist erstmal der andere kaputt im Kopf.

Das ist natürlich sehr übertrieben und überspitzt formuliert, aber man  merkt dennoch, die Verortung in der Realität scheint ein wenig mau zu sein. Der Soziopath schafft sich seine eigene Wirklichkeit. Je mehr die mit der echten Wirklichkeit auseinanderdriftet, umso mehr Probleme gibt es.

Doch fühlt sich der Soziopath selbst unwohl? Er hat keine Möglichkeit, tiefere Gefühle für andere Menschen zu entwickeln. Es gibt eine emotionale Leere, die er durch nichts füllen kann. Er dauernd auf der Suche nach dem nächsten Kick, der nächsten Aufregung, um wenigstens kurzfristig die innere Leere zu füllen. Solange der Erregungsgrad stimmt, ist alles in Ordnung. Kurz darauf folgt aber wieder innere Leere und Langweile und die Suche nach dem nächsten Kick. Vielleicht zerstört man einfach mal das Leben eines Mitmenschen, das ist sicher interessant!

Doch wie es scheint, fühlen Soziopathen sich dennoch oft allein. Denn ohne Empathie, gibt für sie es kein wirkliches Miteinander. Sie sind immer die Außenseiter, denn das Mitgefühl, dass uns zu einer Gemeinschaft macht, fehlt ihnen. Sie haben nur auf Verstandesbene gelernt, zu erkennen zu und zu verstehen, wie andere Menschen ticken. Das erlaubt es ihnen, deren Verhalten vorhersehen und oft manipulieren, ein wirkliches "dabei sein" ist das aber nicht. Und trotzdem knarzt es in der Interaktion mit anderen immer wieder gewaltig. "Gesunde" können auf ihr Bauchgefühl hören und liegen fast immer richtig. Ein Großteil der emotionalen Intelligenz spielt sich im Unterbewusstsein ab. Doch diese Verbindung ist beim Soziopathen stark unterentwickelt, seine Gefühle sind von seinem Denken größtenteils abgekoppelt. Der Soziopath muss Situationen oft bewusst durchdenken und liegt in komplexen Situationen dann auch oft falsch.

Dennoch bleibt also --bisher-- dass ungute Gefühl, dass Soziopathen sich mit sich selbst oft gar nicht so unwohl fühlen. Sie leiden jedenfalls in dem Maße, in dem man möchte. Und auch nicht in dem Maße, die eine Behandlung ermöglichen.




Vorweg als (mehr als sonst) persönliche Aussage:

Bei der Recherche für (2) und (3) fällt mir mit deutlichem Gruseln auf, dass es in "Managerzeitschriften" immer mal wieder Artikel gibt, die behaupten, Narzissmus wäre "gar nicht so schlecht". Diese Vereinfachung ist in dieser Form nicht nur schlichtweg falsch, sondern absolut schädlich.  Es gibt nämlich eine Trennung in "gesunde Selbstliebe" und  "schädlichen Narzissmus". Der Übergang ist fließend, aber "schädlicher Narzissmus" kann man sehr einfach mit "zu viele narzisstische Tendenzen, zu wenige ausgleichende Persönlichkeitsmerkmale" beschreiben. Doch diese Unterscheidung ist offenbar zu schwierig für bestehende und angehende Entscheider, weswegen oft mit "Narzissmus ist gut für's Business" getönt wird.

Ich möchte an dieser Stelle ausnahmsweise tatsächlich einmal (narzisstisch) ausfallend werden: Derartige Behauptungen legen nahe, die Urheber seien überhebliche, arrogante, Grenzdebile, die Nachweise für die Zweifelhaftigkeit ihrer Behauptungen offenbar geflissentlich  ignorieren. Oder mit anderen Worten: Es sind schädliche Narzissten. Der Fuchs als Hühnerexperte, äh, Verzeihung, der Bock mit der Gärtnerlehre.

Zurück zur Frage: Warum funktioniert Narzissmus? Narzissten sehen jede ihrer Errungenschaften als besonders an. Alles, was sie erreicht haben ist toll. Sie sind selbstbewusst. Die Nähe einer selbstbewussten, zielstrebigen Person färbt ab! Die Empathie des (gesunden) Menschen führt dazu, dass er sich anstecken lässt von dieser Zielstrebigkeit. Es ist schlechthin einfacher in dieselbe Richtung zu laufen, wie der Narzisst.

Und der Narzisst ist überzeugend. Weil er an die eigenen Ideen und Aussagen glaubt. Ein Irrtum ist nämlich in der Gedankenwelt des Narzissten nicht vorgesehen.

Hinzu kommt, dass Narzissten tatsächlich hart arbeiten können, sofern sie sich davon narzisstische Zufuhr (persönlicher Erfolg, Anerkennung) versprechen. Aber auch nur dann. Denn so etwas wie Moral, also nicht die Arbeitserfolge anderer als die eigenen hinzustellen, erfordert dann doch Empathie. Und die fehlt. Insofern ist eigene Leistung wohl oft nur die ultima ratio, wenn man die gewünschte narzisstische Zufuhrt nicht anders im selben Ausmaß erhalten kann. Und wenn es auch nur "dass kann nur ich richtig, alle anderen machen das nicht so gut" ist.

Die mangelnde Empathie kann in Führungspositionen sogar hilfreich sein: Schwierige Entscheidungen zu eigenen Gunsten, aber zu Lasten anderer zu treffen ist deutlich einfacher, wenn man nur ein verkrüppeltes Mitgefühl hat.

Die Schattenseite ist hoffentlich bekannt: Der Narzisst ist zwar selbst davon überzeugt zu wissen, wo es hingehen soll, aber objektiv gesehen hat er meist nicht unbedingt den Durchblick. Zweifel und Richtungswechsel sind nicht vorgesehen. Indizien für die gegenteiligen Tatsachen bleiben unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, werden kleinargumentiert, niedergemacht oder schlichtweg ignoriert. Und wenn es dann doch (wieder) einmal grandios schiefläuft (und bei Narzissten geht es häufig eher mit großen Knall in den Graben), dann wird darüber nicht groß nachgedacht, und wenn doch, dann vor allem, um die Schuld zu verschieben. Lernen aus Fehlern? Nein, natürlich nicht, das Schema bleibt dasselbe, denn man kann sich ja nicht irren.

Nicht umsonst werden Top-Manager oft gefeuert, wenn sie in die falsche Richtung fahren. Denn Umdenken geht nicht, das ist in deren Kopf nicht vorgesehen.

"Ja, das war eine Fehler, das mache ich in Zukunft Mal anders". Diesen Satz hört man von Narzissten nicht.








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