Dienstag, 11. September 2012

Anti-Aggressiv


Vor Kurzem wies mich jemand darauf hin, dass die Analyse und die Erkennung von "problematischen" Verhaltensweisen bei einigen besonderen Mitmenschen ja ganz nett wäre; viel wichtiger wäre allerdings noch, wie man mit derartigen Menschen umgeht, ohne selbst große Blessuren davonzutragen.  Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Aber es gibt Gedanken und Handlungen, die man vermeiden kann. 

Ich nenne die manipulativen Aggressoren im Folgenden nach George Simon "Charaktergestörte" (character disturbed). Das ist ein von ihm geprägter Fachbegriff für Personen, für die die Durchsetzung der eigenen Position mit manipulativen, aggressiven und generell "unfairen" Methoden zum üblichen Verhalten gehört. Ich verwende diesen Begriff unten im Sinne von "Person, die sich so verhält, wie geschildert". Das heißt nicht, dass die Akteure der Beispiele wirklich charaktergestört oder sogar Soziopathen sind.

Im Fall von Beispielen, die auf realen Vorfällen basieren, muss der jeweilige Täter natürlich nicht unbedingt grundsätzlich "charaktergestört" sein. In Ausnahmesituationen kann es durchaus vorkommen, dass auch eigentlich gesunde Personen ähnliche Verhaltensweisen zeigen.

Robert Hare  nennt entsprechende Personen auch "Sozialstraftäter", denn sie werden nicht unbedingt jemals auffällig gegenüber der Justiz, aber ihr Verhalten ist so schädlich für ihre Opfer, dass sie man sie oft ganz als eindeutig Verbrecher an der Gesellschaft betrachten kann. Und leider kommen sie oft davon, weil sie wissen, wie man ihre Opfer manipuliert.

"If you leave anything open [...] to the goodwill of the narcissist, he WILL f*ck you"
Sam Vaknin -- I, Psychopath

Schockstarre und Gegenangriffe vermeiden

"Was ist denn jetzt los?", "Womit habe ich das verdient?" sind typische Gedanken im ersten Moment, an dem der Angriff  beginnt, bzw. in dem Moment, an dem man den Angriff bemerkt und er wie eine Welle über einen hereinbricht. Zumeist sind die Attacken nicht immer festzumachen, sondern sie laufen vor allem hinterrücks ab und man bekommt nur die Auswirkungen mit. Dabei kann es sein, dass man wie ein Wellenbrecher von allen Seiten attackiert wird, ohne dass man merkt, was eigentlich los ist. Die natürliche Reaktion auf derartige Angriffe ist der "Flucht oder Kampf"-Reflex (Fight-or-flight). Entweder man reagiert selbst aggressiv oder man ist zunächst einmal völlig handlungsunfähig (Schockstarre).

Auch danach ist die erste Tendenz, sich einzuigeln und den Angriff auszusitzen. Die Idee dahinter: Irgendwann vergeht dem Angreifer sicher die Lust. Denn wenn der Angriff so unmittelbar begonnen hat, so hofft man, dass er auch wieder vorbei ist. Diese Methode funktioniert oft, aber leider hat sie einige gravierende Nachteile:
  • Es gibt Menschen und Situationen, bei/in denen diese Methode nicht zieht.

    Kann man (oder will man) dem Angreifer nicht aus dem Weg gehen, wird das Beibehalten der stoischen Ruhe schwierig. Außerdem gibt es bei den Charaktergestörten durchaus Persönlichkeiten, die sich von mangelnden Erfolgszeichen nicht abschrecken lassen: Die Vorstellung, dass Ihre Methode vermutlich Erfolg haben könnte, bzw. auch kleine Anzeichen dafür nehmen sie schon als Bestätigung, weiterzumachen. Je nach Position des Täters und seinen Einflussmöglichkeiten, ist es denn auch schwierig, ihn wegzuignorieren.

    Kleines Beispiel: Die Angriffe meines Belästigers gehen jetzt schon über mehr als zwei Jahre; es gibt bis heute immer mal wieder einen öffentlichen, rechtswidrigen Angriff durch ihn. Als ich mich in der Anfangsphase zurückzog, verfolgte er mich regelrecht und dehnte seine Bemühungen noch aus. 
  • Das Selbstwertgefühl wird beschädigt.

    Charaktergestörte sind eigentlich Feiglinge. Da sie normalerweise wissen, dass sie bei einer direkten Konfrontation entweder verlieren oder wenigstens Kompromisse eingehen müssten, vermeiden Sie diese. Stattdessen arbeiten Sie mit Machdemonstration, Demütigung und Manipulation, um ihre Ziele zu erreichen.

    Durch jahrelange Übung sind einige denn auch oft so geschickt darin, dass es schon eines sehr guten Selbstwertgefühls bedarf, um sich ihnen zu widersetzen. Hat der verdeckte Aggressive erst einmal einen Hebelpunkt gefunden (weil er sich vorher vielleicht angebiedert hat und dadurch an entsprechende Informationen gekommen ist), wird er nur schwer lockerlassen. Für ihn wäre eine Niederlage eine schwere Demütigung, weswegen er stattdessen lieber seinen "Gegner" fertigmachen will, um das eigene Selbstwertgefühl wieder zu stärken. Wer jetzt an die Rache eines antiken Gottes an einem aufmüpfigen Menschen denkt, der hat in etwa die richtige Vorstellung.
Dennoch ist Wegignorieren vermutlich die Methode der Wahl, wenn dadurch die Verluste nicht zu hoch sind. Sind die Attacken des Täters nicht großartig belastend, bzw. kann man ihnen ohne große Probleme und ohne allzu starke Änderung der eigenen Gewohnheiten aus dem Weg gehen, ist es vermutlich am Besten, ihn einfach wie Luft zu betrachten.

Dies ist auch der Rat, den einem Freunde und Bekannte zumeist geben: Steiger Dich nicht hinein, reg Dich nicht auf. Dieser Rat ist tatsächlich gut und wenn es möglich ist, sollte man ihn auch befolgen.

Allerdings kann es sein, dass der gute Rat entweder zu spät kommt oder aber, dass man es mit einem Täter zu tun hat, der tatsächlich Mittel und Wege gefunden hat, einem schwer zuzusetzen. In solchen Fällen wirkt der gute Rat "Du darfst Dich da nicht so mit belasten" nicht mehr, sondern erzeugt nur Schuldgefühle der Form "Ja, ich weiß, dass ich dem zuviel Raum gebe, aber es belastet mich nun einmal". In dem Fall ist die (leichte) Traumatisierung schon passiert und es geht nur noch um Schadensbegrenzung.

Hierzu ist zunächst wichtig, sich einzugestehen, dass man tatsächlich so verletzt wurde:


Leugnen und Zweifeln vermeiden

Wenn man den Angriffen eines Charaktergestörten ausgesetzt ist, so kommen diese --wie bereits erwähnt-- normalerweise unvermittelt. Für sprachliche Angriffe sie sind unglaublich brutal und gehen zielgenau an die Substanz. Außerdem lassen sie nicht locker. Zwar gibt es immer mal wieder Pausen, aber durch wägt man  sich nur in falscher Sicherheit. Genauso unvermittelt, wie die Pause begonnen hat, gehen auch die Angriffe mit unverminderter Brutalität weiter. Dabei verstehen es viele Charaktergestörte, die Angriffe plausibel und logisch klingen zu lassen.

Ian Walker hat die Problematik in "I, Psychopath" gut beschrieben: Sam Vaknin macht ihn im Laufe der Dreharbeiten regelrecht fertig. Er beschimpft ihn immer und immer wieder und erklärt dabei auch noch, warum seine abwertenden Urteile gerechtfertigt und nur verständlich sind. Als Opfer fühlt man sich hier in seine Kindheit zurückversetzt, in der man von einem Elternteil oder beiden beschimpft wurde, ohne zu begreifen, was man eigentlich angestellt haben soll. Die Welt scheint sich plötzlich gegen einen verschworen zu haben, sie besteht nur aus Demütigungen und man versteht weder warum dies plötzlich so ist oder wie man wieder herauskommen soll. Die Attacken sind brutal und dem Gegner wird keine Möglichkeit gelassen, sich zu verteidigen.

Ob er nun bewusst so handelt oder ob es sich einfach nur um ein automatisiertes Verteidigungsverhalten ("Ich, das arme Opfer, muss mich doch wehren gegen solche bösen Menschen") handelt, das Ziel des verdeckt Aggressiven ist Destabilisierung seines Opfers. Es geht darum, das Gegenüber unter psychischen Stress zu setzen und die Selbstzweifel und das Mitgefühl, die (fast) jeder in sich trägt, gegen ihn zu verwenden. Die Attacken des Charaktergestörten zielen also auf die Fähigkeiten, die wir im Umgang mit nicht-charaktergestörten Menschen verwenden. Wut und Aggression werden normalerweise als negativ empfunden. Wenn wir mit Wut und Aggression konfrontiert werden, suchen wir ("Normalen") immer auch nach Fehlern in unserem Verhalten, und versuchen diese eventuell zu korrigieren. Wir glauben, dass diese Wut durch irgendetwas ausgelöst wird und suchen nach dem Grund. Genau dies verwendet der Charaktergestörte bei seinem Angriff gegen uns. Die üblichen De-Eskalationstechniken, wie zum Beispiel das bewusste Vertagen des Streits oder das Beiholen eines weniger emotional beteiligten Dritten funktionieren beim Umgang mit Charaktergestörten nicht. Man möchte das alles zunächst nicht wahr haben, sucht die Schuld bei sich selbst oder anderen Umständen. Dabei wäre es viel wichtiger, sofort zu handeln, um die Übergriffe --notfalls unter Nutzung der Staatsgewalt-- zu unterbinden.

Hat man sich einmal bewusst gemacht, dass die "normalen" Reaktionen in der betroffenen Situation nicht funktionieren, so ist ein Wechsel der Vorgehensweise sinnvoll. Angriffe durch wiederholte Beschimpfungen, Beleidigungen können durchaus strafbare Handlungen sein, bis hin zu vorsätzlicher Körperverletzung (z.B.  wenn die Angriffe Panikattacken und Angstzustände auslösen und der Täter auch davon weiß). Einige Staatsanwaltschaften sehen aber selbst nach monatelangen Angriffen keinen Handlungsbedarf. Hier gilt es, zu sich selbst zu stehen und konsequent zu handeln. Wenn der Täter mehrere (wenige!) Schlichtungsversuche verweigert oder sogar als zusätzliche Provokation dargestellt hat, sollte man die Selbstzweifel --so schwer es fällt-- beiseite legen und mit großen Kanonen schießen.


Rechtfertigungen vermeiden

Für die meisten von uns ist es eine automatische Reaktion, auf Kritik mit Rechtfertigung zu reagieren. Wir wollen erklären, warum etwas so passiert ist. Zumeist dient das dazu, die Schuldgefühle zu verringern. Diesem Drang sollte man allerdings unbedingt widerstehen.

Ein konstruktiver Kritiker wird bei berechtigter Kritik bei der Ursachensuche unterstützen und helfen, dass sich die Vorfälle nicht wiederholen. Für ihn sind Schuldzuweisungen sinnlos, denn die Klärung der Schuldfrage löst ja das Grundproblem nicht.

Charaktergestörte hingegen sehen das Rechtfertigen als Zeichen von Schwäche. Für sie ist Kritik keine Methode zur Verbesserung, sondern nur eine weitere Angriffsmethode, um den "Gegner" zu demütigen. Vermutlich liegt das daran, dass sie gegen sie selbst gerichtete Kritik auch nur als Angriff verstehen können. Dem Charaktergestörten geht es nicht darum, einen Streit beizulegen, sondern nur darum, mit allen Mitteln den eigenen Willen durchzusetzen.


Nicht grübeln.

"Warum macht der das?" und "Was habe ich Schlimmes getan, um diese brutalen Angriffe zu rechtfertigen?" sind übliche Gedanken, wenn man einem Angriff ausgesetzt ist. Man gerät ins Grübeln und fragt sich, was man hätte anders machen können, um derartige Angriffe zu verhindern. Man fragt sich, wie viel Schuld man selbst an jetzigen Situation trägt. Vom eigentlichen Täter werden diese Grübeleien bewusst oder unbewusst bestärkt. Hübsch hinterhältig ist zum Beispiel, die Behauptung (natürlich selten offen ausgesprochen), man würde die Schuld an der jetzigen Situation komplett von sich weisen (was selbstverständlich eher selten wahr ist).

Der Charaktergestörte weiß genau, dass seine Attacken bei seinem Opfer diese Reaktion auslöst. Indem er so tut, als wäre die Schuldfrage bereits geklärt, versucht er Zweifel gleich im Keim zu ersticken. Er verwendet die Schuldfrage nicht nur als fadenscheinige Rechtfertigung für seine fortgesetzten Angriffe, sondern nutzt diese auch aus, um weiteren Druck aufzubauen. Es wird frei nach dem Motto narzisstischer Eltern "Was bist Du nur für ein böses Kind, dass Du mich zwingst, Dich so schlecht zu behandeln?" vorgegangen. Die Methode ist eng verwandt mit emotionaler Erpressung, die auch die Schuldgefühle des anderen für eigene Zwecke zu missbrauchen sucht.

Es ist völlig irrelevant, wer wie sehr für den auslösenden Konflikt verantwortlich ist. Fakt ist, dass der Täter für seine jetzigen Angriffe voll verantwortlich ist und diese  gefälligst sofort einzustellen hat. Es ist auch völlig egal, wie viel Schuld man eventuell vorher auf sich geladen hat, die Brutalität der jetzigen Angriffe des Charaktergestörten lässt sich nicht rechtfertigen.

Keine falsche Scham

Wenn man sich aufgrund der Attacken nicht gut fühlt, sind die Attacken möglicherweise Körperverletzung. Man sollte sich die Symptome ärztlich bestätigen lassen. Man macht sich nicht "überwichtig" oder "führt sich wegen Kleinigkeiten auf", auch wenn der Täter einem das vielleicht einreden will. Man verteidigt seine grundgesetzlich verbrieften Rechte.

Es ist verständlich, dass man nicht zugeben will, dass man durch primitiven Übergriffe derart aus dem Gleichgewicht gebracht wird, dass man vielleicht sogar körperliche Symptome zeigt.

Nicht zögern

Es ist nur natürlich, dass man den Konflikt nicht auch noch selbst weiter eskalieren möchte. "Vielleicht kann man ja doch noch etwas klären". Nein, kann man nicht. Der Täter hat bereits mehr als nur deutlich zu verstehen gegeben, dass er nicht zu einer Klärung bereit ist.

Jedes weitere Abwarten führt nur dazu, dass man selbst immer mehr unter Druck gerät, eventuell selbst Fehler macht (aus Wut, aus Verzweiflung, ...). Je länger man die Angriffe duldet, desto schlechter geht es einem. Psychologen nennen derartiges Mobbing (und insbesondere Cyber-Mobbing) demnach auch durchaus eine perfide Art der Gewalt. Und diese Gewalt ging zuerst vom Täter aus, daher ist es auch an der Zeit, sich gegen diese Gewalt zur Wehr zu setzen.

Das Opfer in untätiger Hilflosigkeit erstarren zu lassen, ist nämlich genau das, was der Täter bezweckt. Und die meisten wissen, dass es funktioniert.


Die Gutmütigkeit beiseite stellen

Natürlich möchte man den Konflikt klein halten und nicht mehr Ärger heraufbeschwören, als notwendig. "Wenn ich ein paar Zugeständnisse mache, wird der andere vielleicht ...". Für einen Charaktergestörten (und es gibt sie wirklich) sind derartige Händel nur ein Zeichen von Schwäche und damit ein Hinweis darauf, dass er zwar zu weit gegangen ist, aber dass sein Verhalten grundsätzlich dennoch wirkungsvoll, erfolgversprechend und auf eine perverse Art akzeptabel ist.

Hat man deutliche Hinweise darauf, dass man den Angriffen eines merkbefreiten Menschen ausgesetzt ist, so sollte man sofort und ohne Umschweife mit der großen Keule zuschlagen. Sind die ersten Schlichtungsversuche gescheitert, sollte man auf keinen Fall weitere folgen lassen, sondern unverzüglich alle Mittel in Bewegung setzen. Wenn man selbst nicht mehr weiter weiß, sollte man auch die Anwaltskosten nicht scheuen.

Strafrechtlich sollte man die Angriffe so gut als möglich dokumentieren und sich auch Zeugen beiholen (Mithörer/Mitleser, Arzt, ...). Danach sollte man sofort Anzeige erstatten. Leider werden derartige "Ehrverletzungen" von den Staatsanwaltschaften oft nicht weiter bearbeitet, sondern ziemlich kommentarlos eingestellt. Allerdings wird der Täter dadurch in jedem Fall aktenkundig, was nicht zu unterschätzen ist.

Zivilrechtlich ist zunächst die (anwaltliche) Abmahnung und --wenn die Abmahnung ignoriert wird--, die Beantragung einer Einstweiligen Verfügung und dann folgend die Unterlassungsklage das Mittel der Wahl. Wenn der nächste Angriff empfindliche Geldstrafen (bis 250.000 €) oder gar Ordnungshaft (bis zu sechs Monaten) einbringt, werden die meisten Angreifer sehr kurzfristig ruhiger. Weiteres steht hier

Das Opfergetue ignorieren

Stösst ein Charaktergestörter auf ernsthaften Widerstand, wird er Ausweichmaßnahmen ergreifen. Wichtig ist hierbei, dass dieses Versuche, sich "herauszuwieseln" erst auftreten, nachdem das Opfer angefangen hat, sich zu wehren und dass die Argumentation nicht auf der Sachebene geführt wird.

So kann es zum Beispiel sein, dass das Opfer als "schwachsinnig" bezeichnet wird. Es wird dem Opfer Realitätsverlust unterstellt (O-Ton: "das fand offensichtlich nur in Deinem Kopf statt"). Die Vorfälle werden heruntergespielt und verharmlost. Es wird erklärt, das Opfer wäre überempfindlich, würde sich wegen "Kleinigkeiten" übermäßig aufregen und sich nur wichtig machen wollen. Desweiteren kann auch die Fortsetzung der Angriffe geleugnet werden, indem dem Opfer unterstellt wird, dass es sich über längst vergangene Vorfälle immer noch echauffiert (natürlich während sich die Angriffe hinterrücks fortsetzen)

Ganz wichtig ist hierbei, dass der Täter die Argumentation auf der Sachebene vermeidet. Alle Argumente des Täters zielen eindeutig darauf, sein Opfer zu demütigen,  bzw. dessen Rechte zu beschränken. So stellt sich zum Beispiel die Frage, warum die Kleinigkeiten, über die sich das Opfer so aufregt, nicht auch mit geringem Aufwand zu beseitigen sein sollen.

Hier hilft es nur, die Zweifel beseite zu schieben und auf einer sofortigen Unterlassung der Übergriffe zu bestehen und diese Unterlassung auch durchzusetzen.

Dieser Rat ist allerdings sehr zweischneidig:  Denn nicht wenige Opfer blasen zum Gegenangriff gegen vermeintlich gegen sie gerichtete Angriffe. Hier gilt es also, die Situation gut abzuschätzen und die Gegenmaßnahmen im Rahmen zu halten. Es zählt nicht "Wer fester draufhaut", sondern "Wer sich korrekter verhält".

So hatte ich vor einiger das Vergnügen mit einer Person, die sich von mir gemobbt fühlte. Sie zeigte mir gegenüber zweimal unliebsames Verhalten (wenn man böse wäre, könnte man es als sexuelle Belästigung ansehen), woraufhin ich sie auch zweimal zur Rede stellte. Danach fühlte sie sich von einigen Beiträgen von mir (die mit ihr nichts zu tun hatten) angesprochen und fing an, mich zunächst privat, und dann netz-öffentlich zu beschimpfen. Ich habe damals meinen eigenen Rat berücksichtigt und das Problem wegignoriert, nachdem ein Gespräch mit der betroffenen Person nicht mehr möglich war.

Zusammenfassung

Sich gegen die Angriffe eines Charaktergestörten zu wehren ist in jedem Fall anstrengend.  Und weil man viel seiner Energie schon darauf verbringt, den Angriffen standzuhalten, bleibt die Unterbindung weiterer Übergriffe oft auf der Strecke. Es ist aber durchaus möglich, die  Betroffenen in die Schranken zu weisen und diese Grenzen dann auch durchzusetzen. Leider ist es dennoch so, dass man von Beschimpfungen stark unter Druck gesetzt wird. Dies ist natürlich genau das Ziel dieser Angriffe: Einschüchtern, Stress auslösen.

Toleriert man diese Angriffe zu lange, kann dies durchaus schwere, gesundheitliche Folgen; bis hin zu einer posttraumatischen Belastungstörung und einer nachträglichen, dauerhaften Veränderung der eigenen Persönlichkeit kommen. In solchen Fällen werten auch die Gerichte den eigentlich reinpsychischen Angriff durchaus auch als Körperverletzung (da ja die Gesundheit erheblich beeinträchtigt wird).

Daher kann ich nur folgende Grundsätze formulieren
  • Es gibt Menschen, die ihre Vorstellungen gegen alle Widerstände durch unfaire Methoden durchsetzen und für die dieses Verhalten zum üblichen Gebaren gehört. Man erkennt diese Menschen nicht sofort, sondern meistens erst, wenn es zu spät ist.
  • Am Besten ist, man lässt sich von offensichtlich charaktergestörten Menschen gar nicht beeinflussen.
  • Manchmal geht das aber nicht. Dann sind Gutmütigkeit und Zugeständnisse fehl am Platz. Werden die eigenen Grenzen zu sehr (= strafrechtlich, bzw. zivilrechtlich relevant) überschritten, so hat man das Recht, sich mit allen Mitteln zu wehren. 
  • Zögern führt möglicherweise zu einer Verschlimmerung der Angriffe. Wenn also nach den ersten Schlichtungsversuchen klar ist, dass das Gegenüber nicht zu einer Einigung bereit ist, sollte man klar und entschieden seine Rechte durchsetzen. Das ist nicht angenehm und es strengt an, aber es ist bei Weitem besser als sich den Angriffen zu beugen. Die Spätfolgen fortgesetzter Angriffe sind sonst gar nicht abzusehen.

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