Donnerstag, 14. Juni 2012

Warum tat man sich das eigentlich an?

 Es ist natürlich wie immer: Gute Vorsätze lösen sich in Rauch auf. Über das Thema wollte ich keine Artikel mehr schreiben. Aber mir ist einmal mehr die Frage gestellt worden. Jene Frage, die unglaublich schwer zu beantworten ist:

"Wie hast Du das nur so lange ausgehalten?"

Man kann die Frage verallgemeinern und versuchen, sie dann zu beantworten:

"Was hält Nons in einer Beziehung zu einem Borderliner, wenn doch offensichtlich ist, dass die Beziehung ihm/ihr schadet?"


Also ... die übliche Warnung vorweg: Dies sind persönliche Erfahrungen, die ich so ähnlich auch aus anderen Erfahrungsberichten gelesen habe. Es gibt auch ganz andere Borderliner, die sich auch anders verhalten! Allerdings denke ich, dass Verhaltensmuster wie die hier beschriebenen teilweise sehr typisch für eine bestimmte (häufige?) Klasse von Borderlinern sind.



Blenden wir mal zu den allbekannten Simpsons. In der Episode "Der Aushilflehrer" kommt eine Szene vor, in der Homer aus Gleichgültigkeit Lisas Gefühle verletzt und diese ihn daraufhin beschimpft (Quelle: http://www.united-simpsons.de/episodenguide.php?show=7F19)

Lisa: Mr. Bergstrom hat uns heute verlassen. Er ist weg. Und zwar für immer.
Homer: Und?
Lisa: Ich wusste, dass du es nicht verstehst.
Homer: Hey, bloß weil es mir egal ist, heißt das nicht, dass ich es nicht versteh'.
Lisa (wütend): Ich bin froh, dass ich nicht weinen muss! Denn es wäre mir unangenehm, wenn du denken könntest, dass ich das, was ich jetzt sage, nur im Affekt sprechen würde. Aber Sie, Sir, sind ein Affenarsch!
Homer (erstaunt): Ich?
Lisa: Ja, du! Affenarsch, Affenarsch, AFFENARSCH!
Homer: Ich glaube, du machst dir gar nicht klar, was du da sagst.
Lisa: AFFENARSCH! [rennt weinend in ihr Zimmer]

[...]

Homer: Dir werden in deinem Leben noch viele Menschen etwas bedeuten, Lisa. Wahrscheinlich gibt es sogar einen Ort, wo sie alle zusammenkommen und wo es was gutes zum Essen gibt und Typen wie ich die Getränke servieren. 


Was sie Dir antut 

Borderline-Wutanfälle sind nahezu legendär. Alkoholverstärkt auf eine Glastür einprügeln, das Glas zertrümmern, hindurchfallen: Resultat:  8 Stiche im Gesicht und am Arm. Öffentlich ist man natürlich gestolpert.

Man geht mit dem größten Hurenbock am Platz ins Bett, um "jemandem eins auszuwischen". Je nach Stimmungslage ist diese Aktion dann totale Selbstaufgabe ("Ich hatte mich da so von meinem Körper distanziert", "Er hat doch gezahlt und er war so nett.") oder eine voll bewusste und berechnete Aktion ("Da ist doch nichts dabei, Du gönnst mir das nur nicht!", "Ich habe doch ihn ausgenützt").
    Selbstverletzungen sind an der Tagesordnung, Alkoholexzesse und selbstschädigendes Sexualverhalten ebenso. Wie belastend das für den Partner ist, kann man sich denken.

    Aber das ist natürlich noch nicht alles, es gibt auch direkte Angriffe. Das Schlüsselwort ist Projektion. Weil der Selbsthass nicht zu ertragen ist, wird versucht, ihn zu "verschieben".

    So wie er in der Idealisierungsphase die Moral- und Wertvorstellungen des Partners übernommen hat, so sucht der Borderliner in der Hassphase jetzt das, was er an sich selbst nicht ausstehen kann, auf den Partner zu projizieren. Im Prinzip ist das der Versuch, die Übertragung umzukehren: In der Idealisierungsphase übernimmt der Borderliner Persönlichkeitsmerkmale des Partners (und füllt damit die Lücken in der eigenen Persönlichkeit aus). In der Hassphase sucht er nun eigene Defizite beim Partner, um sie dann dort zu bekämpfen. Ich habe festgestellt, dass das nicht so funktioniert, dass der Borderliner gerade eben etwas empfindet und sich selbst dafür hasst und dann den Non dafür angreift. Stattdessen unterstellt der Borderliner dem Non bestimmte Motivationen, wie er sie sich in seiner eigenen, beschränkten Gefühlswelt noch ausmalen kann. Der Borderliner sieht den anderen also richtiggehend mit einer "Bösartigkeits-Brille", bei der alle Aktionen des Non aus irgeneiner dunklen Motivation stammen müssen. Und diese dunklen Triebe stammen natürlich aus dem beschränkten Gefühlsrepertoire, das dem Borderliner zur Verfügung steht. Etwas anderes hat er ja nicht. Hinzu kommen Provokationsaktionen, die  selbsterfüllende Prophezeiungen erzeugen sollen. Zum Beispiel unterstellt der Borderliner dem Non  so lange aggressives Verhalten, bis dieser tatsächlich aggressiv reagiert (wegen dieser dauernden Angriffe). Dadurch sieht der Borderliner seine abwertende Meinung bestätigt. Eigentlich bekämpft er aber sein eigenes Verhalten beim anderen.

    In den Augen des Borderliners ist tatsächlich der andere der "Böse". Borderliner sind hochempfindlich auf die Stimmungen des anderen. Diese Fähigkeit ist so stark ausgeprägt, dass er faktisch Teile von dessen Persönlichkeit übernehmen kann. Für ihn ist dies ein Überlebenskonzept: Durch diese Übernahme erlangt er eine Art Verschmelzung mit seinem idealisierten Gegenüber, er bekommt vermeintlich die Nähe, nach der er sich so sehr sehnt. Die meiste Zeit über versucht der Borderliner aber, diese Gefühlsüberflutung zu kontrollieren, so dass es so aussieht, als wären seine Fähigkeiten, sich einzufühlen, extrem vermindert, während genau das Gegenteil der Fall ist: Der Borderliner muss seine Gefühle bewusst bekämpfen, um nicht von ihnen überrannt zu werden.

    Dabei sind die Gefühl des Borderliners aber auch immer sehr einfach strukturiert, weil er ja bedingt durch die Störung keine Gelegenheit hatte, seine Gefühlswelt stärker auszudifferenzieren. Er kann die Gefühle von Gesunden nicht nachvollziehen (genau, wie ein Gesunder das Denken eines Borderliners nicht nachvollziehen kann). So konstruiert er sich Erklärungen für das Verhalten des anderen, die zu seiner Denkwelt passen. Wer sich jetzt fragt, ob da nicht dann die irrsinnigsten Vorwürfe herauskommen, der hat genau richtig getippt: "Dieser irrsinnige Vorwurf, dass es Dich stört, wenn ich mit anderen vor Deiner Nase über Dinge rede, die Dich nicht interessieren" als Antwort auf "Ihr habt ja was zu bereden, da bin ich nicht so wichtig. Ich geh dann mal joggen!"

    Zusätzlich zu diesen ganzen direkten Angriffen kommt natürlich auch noch das Scharadespiel der Außendarstellung des Borderliners. So kann man sich sicher sein, dass der Borderliner nach außen gegenüber anderen eine nahezu perfekte Maske gespielt hat. Und man kann sich als Non auch sicher sein, dass der Borderliner in seinem verzweifelten Hilfesuchen auch intime Details über die Beziehung mit nahezu Fremden diskutiert hat. In den Augen der anderen ist man ob dieses Schauspiels der Perfektion natürlich der Böse, der es auf den "armen" Borderliner abgesehen hat.
    So schafft es der der Borderliner denn dann auch, dass er am Ende der Beziehung möglichst bald wieder eine neue Bezugsperson hat. Das kann der beste Freund sein, ein neuer Partner (= ein neues Opfer), oder auch nur eine Person aus dem Bekanntenkreis. Wichtig ist nur, dass der Betroffene dem Borderliner die Aufmerksamkeit schenkt, nach der er sich gerade so nötig sehnt. Diesen kann er Borderliner dann gut im Sinne einer Triade auf den ach so bösartigen Non hetzen und sich dabei selbst unschuldig geben.

    Und eines wird vermutlich für Nons immer unverständlich bleiben: Der Borderliner fühlt sich bei allen seinen Aktionen im Recht. Hochfunktionale Borderliner schaffen es sogar noch, sich davon zu überzeugen, alle Ihre Verhaltensweisen wären so geplant und komplett durchdacht, damit sie den tatsächlich stattfindenden Kontrollverlust nicht zugeben müssen.

    Warum Du Dir das antust

    Wenn man denn mal "raus" ist aus dieser Borderline-Falle, geht es einem natürlich erst mal ziemlich dreckig. Nicht unbedingt besser machen es die Fragen aus dem eigenen Freundeskreis, warum man sich denn das alles angetan hat, von dem man da berichtet. Zitat: "Warum hast Du das Drecksstück nicht zum Teufel gejagt?" Die richtige Antwort ist: "Ja, das frage ich mich jetzt auch."

    Gehen wir zurück zu den Simpsons. Ich denke, niemand, der die Serie kennt, wird auf den Gedanken kommen, dass Homer seine Tochter nicht liebt. Sie haben ihre Differenzen, teilweise auch schwerwiegende Differenzen, aber selbst der vermeintlich so gleichgültige Homer hat genug Veranwortungsgefühl und Mitgefühl, um seiner Tochter ihre Ausbrüche zu verzeihen und ihr seine Zuneigung wieder zu versichern

    So ähnlich verhält es sich auch mit dem Borderliner. Nur ist der Borderliner nicht acht, wie Lisa Simpson, sondern vielfach ein erwachsener Mensch. Er hat allerdings die emotionale Reife eines Fünfjährigen und so wirkt das auch auf den Non: Man will den Borderliner beschützen, ihm verzeihen und ihm zeigen, dass man ihn trotz allem gern hat.

    Der Nachteil ist allerdings: Zwar sehnt sich der Borderliner nach Nähe und Verständnis, aber gleichzeitig fühlt er sich durch die väterliche Nachsicht des Partners auch nicht ernst genommen. Dieses Dilemma kann der Non von sich aus auch nicht auflösen und der Borderliner braucht hier --wenn es ihm überhaupt möglich ist-- eine jahrelange Therapie. Letztendlich muss ein Non in einer Beziehung mit übelsten Angriffen auf sein Selbstverständnis und sein Selbstwertgefühl rechnen, gegen die er sich nur durch "Aussitzen" wehren kann.

    Es gibt mehrere Theorien, was den Non dazu treibt, seine eigenen Bedürfnisse so zurückzustellen. Die meisten sind leider doch ziemlich abwertend: Helferkomplex, selbstunsicher, usw. Doch ich finde das viel zu hart. Nicht alle Nons sind selbst schwer gestört. Sie haben vermutlich alle stark Persönlichkeitsmerkmale wie Fürsorglichkeit, Selbstaufopferungsfähigkeit, hohe Frustrationstoleranz,  aber die meisten dürften von sich aus nicht selbst schwer gestört sein.

    Dem Non geht es vermutlich häufig stattdessen ähnlich wie Homer: Er kennt die Anfälle "seines Mädchens", er versteht sie aber nicht, aber er versucht immer und immer wieder, ihr zu verzeihen. Auch versucht er sein Verhalten so anzupassen, um diese vermeintlich so schweren Demütigungen ihr gegenüber zu vermeiden. Wenn der Non etwas besonders Schlimmes hat, so ist das die übermässige Tendenz, sich verantwortlich zu fühlen und an sich zu zweifeln. Und deswegen verzeiht er, anstatt dem Ansturm des Borderliners klare Ansagen und Grenzen entgegen zu setzen.

    Doch das ist nicht alles. In den Phasen der Idealisierung kann man sich als Non-Partner eines Borderliners nichts Besseres wünschen als den Borderliner. Er passt sich einem genau an, er erfüllt einem jeden Wunsch und scheint genau auf der eigenen Wellenlänge zu liegen. Eine Traumfrau/Ein Traummann ohne gleichen. Es dauert eine Weile, bis man realisiert und begreift, dass dies nur ein Schauspiel ist. Der Borderliner füllt seine fehlenden Persönlichkeitsaspekte mit den Verhaltensweisen einer idealisierten Person. Wenn man einen Borderliner mit etwas Abstand betrachtet, merkt man teilweise, wie sie die Meinungen und teilweise sogar die Lebensweise einer idealisierten Person übernehmen. Sie passen sich vollständig an, als hätten sie keine eigene Persönlichkeit.

    Und so hart es klingt: die Idealisierung macht süchtig. Es ist einfach wunderbar, einen Menschen neben sich zu haben, der bedingungslos zu einem aufschaut. Und man glaubt, dass man das wieder haben kann, wenn man nur die "Macken" des Borderliners erträgt. Und das ist der Knackpunkt,  der Non glaubt, dass er wenigstens mitverantwortlich ist für die Ausbrüche des Borderliners, dass er sich nur besser verhalten muss, um die Angriffe zu verhindern und den und den Phase der Idealisierung wiederherzustellen. Es ist eine ganz böse Falle, in die man aufgrund seines Mit- und Verantwortungsgefühls tritt. Natürlich liegen die Wurzeln dieser Selbstzweifel beim Non irgendwo in der Kindheit, deswegen ist er aber nicht von sich aus gestört. Und die Beziehung ist --auch wenn er das vielleicht nicht so direkt merk-- auch Stress pur, so dass der Non nicht mehr so reagiert, wie er es sonst würde.

    Der Borderliner kann (und will) natürlich die Idealisierung nicht aufrecht erhalten. Zum einen sieht dadurch seine ohnehin brüchige Persönlichkeit noch mehr bedroht (Verschlungenwerden, er ist ja nicht er selbst, sondern stellt sich fast ganz auf den anderen ein) und zum anderen muss er eine unglaubliche Leistung erbringen, um die Idealisierung nicht zerbrechen zu lassen (Spaltung). Einen Mensch als Ganzes mit Stärken und Schwächen wahrzunehmen, kann er ja nicht gleichzeitig.

    Beim Non ist das umgekehrt: Er kann den Menschen viel zu gut als Ganzes wahrnehmen und ist auch in der Lage, Schwächen auszublenden. Er ist dazu so gut in der Lage, dass er es bis zur Selbstverleugnung kann. Er sieht den Menschen im Borderliner, dessen Verhaltensweisen ja "nur" völlig übersteigerte Extreme dessen sind, was jeder andere auch empfindet. Der Borderliner empfindet allerdings offensichtliches alles sehr viel stärker als andere. Zum Monster wird er erst, wenn er seine Verantwortung für seine Gefühle und vor allem für sein Handeln verleugnet. "Ich war so wütend" wird zu einer Entschuldigung für alles.

    Was Dir das antut

    Natürlich erfüllt dieses "Nachgebe-Verhalten" nicht den gewünschten Zweck. Im Gegenzug zu normalen Menschen ist das Verhalten eines Borderliners nicht vorhersehbar. Die Auslöser für Borderline-Wutanfälle schwanken genauso, wie das Ich-Empfinden des Borderliners. Der Non kann sein Verhalten nicht so anpassen, dass Wutausbrüche des Borderliners vermieden werden. Versucht er es dennoch, wird  er immer und immer wieder scheitern und sein Selbstwertgefühl wird dadurch mehr und mehr angegriffen.

    Auch von der Umgebung des Borderliners --die ja normalerweise nur die "gute" Seite des Borderliners kennt-- wird ihm vielleicht zusätzlich noch eingeredet, dass es sein Verhalten ist, dass die Reaktionen des Borderliners auslösen. "Sie ist doch gar nicht so", bekommt man oft zu hören. Man bemerkt gar nicht, wie das eigene Selbstwertgefühl nach und nach völlig untergraben wird. Man glaubt irgendwann der eigenen Menschenkenntnis nicht mehr, denn der Borderliner reagiert nicht so, wie andere. Weder empfindet, noch denkt er so wie ein gesunder Mensch.

    Die Abwehr seiner Grundängste (Angst vor Verlassenwerden und Angst vor Nähe) haben für den Borderliner absolute Priorität und ihm ist jedes Mittel Recht, um sich wieder zu stabilisieren.

    Für den Partner kann dieses unberechenbare Hin- und Her mit extremen Schuldzuweisungen üble Folgen haben: Die meisten Partner aus Borderline-Beziehungen sind nach der Beziehung therapiebedürftig. Sogar ihr soziales Netz, dass sie eigentlich auffangen könnte, ist durch den Borderliner aufgrund der extremen Eifersucht und der öffentlichen Schuldzuweisungen teilweise stark ins Wanken geraten. Die Freunde des Partners sind für den Borderliner nicht nur Konkurrenten um die Gunst des Partners, sondern sie sind auch gefährlich, weil sie noch eine zweite Meinung ausmachen, die schlechter zu manipulieren ist, als die des  Partners. Das gesamte "Beziehungsmanagement" des Borderliners ist manipulativ und zumeist merkt er es nicht einmal. Dem Partner wird indes auch oft erst nach der Trennung bewusst, welches Spiel da gelaufen ist.

    Nicht wenige Nons sind nach einer Beziehung zu einem derart schwer gestörten Menschen wie einem Borderliner selbst jahrelang krank und schwer beeinträchtigt. Das Unverständnis der Umgebung, die entweder
    • nicht verstehen kann, warum man sich das überhaupt antat, oder
    • gar nicht erst glaubt, dass die Berichte über das Verhalten des Borderliners wahr sind
    trägt das Übrige dazu bei, dass man sich völlig fertig und am Ende fühlt. Belastungsstörungen, zum Beispiel Depressionen sind hier fast schon als "normale Reaktion" anzusehen.

    Aber aufgrund der Manipulationen und aufgrund seiner Persönlichkeit sieht der Non die Verantwortung (Verantwortung ist nicht gleich Schuld) dafür, dass es ihm immer schlechter geht, nicht beim wahren Verursacher. Er sucht nach anderen Ursachen und gibt sich --zumindestens anfangs-- selbst die Schuld. Diese einseitige Verantwortungsübernahme wird vom Borderliner in Abwertungsphasen natürlich verstärkt. Für ihn ist das ein willkommener Ausweg aus seinem Selbsthass.

    Und gegen Ende ist der Non dann so kaputt, dass der Borderliner ihn aus der Idealisierung fallen lässt, weil er aus der Beziehung nichts mehr ziehen kann (emotionaler Vampirismus).

    Jedem, der das durchgemacht hat, dem kann ich nur Empfehlen, sich er das Mantra "Ich bin nicht verantwortlich für die Gefühle, Gedanken und Handlungen anderer" gut einprägt. Und nein, es wird nicht aufhören, weh zu tun. Man gewöhnt sich nur daran.

    Kommentare:

    1. "Und gegen Ende ist der Non dann so kaputt, dass der Borderliner ihn aus der Idealisierung fallen lässt, weil er aus der Beziehung nichts mehr ziehen kann (emotionaler Vampirismus)."

      Wie wahr ... wie wahr !!! Und das ist der größte Schlag in die Fresse .... über Jahre hat man sich aufgeopfert und sich mit den Problemen des Partners beschäftigt .... und wenn man dann selbst mal eine Stütze bräuchte, wird man gnadenlos fallen gelassen. Aber wie soll ein Gefühlskrüppel auch eine Stütze sein ?

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    2. Bitte nicht vergessen, nicht ALLE sind so und ja, man kann seine Gefühle verstehen lernen und an sich arbeiten, wenn man bereit dazu ist. Borderliner sollten aber nicht als Ober-Sündenböcke herhalten für schmerzhafte Beziehungen/Trennungen. - Ich selbst Borderlinerin - mich machen solche Kommentare immer sehr traurig und lassen mich noch mehr an mir zweifeln, also bitte nicht alle in den gleichen Topf werfen.

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      1. Ich sehe das inzwischen --nach mehreren Jahren-- tatsächlich sehr differenziert. Ich habe vier diagnostizierte Borderliner im Bekanntenkreis und die Symptome sind bei allen grundverschieden. Bei zweien davon hätte ich die Störung keineswegs vermutet, sie richtet sich dort fast aussschließlich nach innen.

        Das oben ist aber leider eine sehr reale Beschreibung dessen, was im engenen Kontakt mit einem Bordi möglich ist (und in dieser Hinsicht sogar noch harmlos). In der Hinsicht finde ich es wichtig, sich die Bandbreite der Störung klarzumachen und dann erst zu entscheiden, ob man dem gewachsen ist.

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    3. Mir erschließt sich trotzdem nicht, warum man nicht früher die Reißleine zieht. Also ich habe den sehr informativen Artikel inhaltlich durchaus verstanden; es erschließt sich mir nur nicht, wenn ich von mir selbst ausgehe:
      Theatralisches, infantiles sowie cholerisch-aggressives Verhalten wären für mich ein no-go bei einem Partner. Da würde ich bereits nach ein, zwei Ausbrüchen dieser Art die Beziehung beenden. Eine Beziehung ist ein netter Pluspunkt und sollte mein Wohlbefinden steigern, nicht runterziehen. Sonst bin ich auch gerne alleine - bin da etwas schizoid geprägt; also freundlich ausgedrückt: Eine introvertierte Einzelgängerin. Respektloses Verhalten seitens des Partners mir gegenüber würde ich nicht akzeptieren; im Zweifel wäre ich weg und derjeninge könnte sich einen anderen "Deppen" suchen, der seine Spiele mitmacht.Ich bin bei sowas nicht sonderlich tolerant, geschweige denn geduldig. Fairerweise muss ich aber sagen, dass mir allgemein wenig an emotional symbiotischen Beziehungen liegt und ich auch in einer Beziehung einen (gesunden) Egoismus + Selbstbewahrung/Abgrenzung für völlig normal halte. Wenn man dagegen erstmal emotional abhängig vom anderen ist, dürfte es deutlich schwerer sein zu gehen; das leuchtet mir ein.

      Denke nur, dass "echte" Liebe/Zuneigung nichts mit pathologischer Abhängigkeit zu tun hat. Es würde mich auch misstrauisch machen, wenn man mich so derart idealisieren würde; hätte da schnell den Eindruck, dass mein Gegenüber wohl primär seine Illusion/sein Traumbild von mir "liebt" und kein korrektes Bild von mir hat. Dass wäre für mich keine Grundlage für eine Beziehung; ganz im Gegenteil.

      Danke für die vielen interessanten und gut recherchierten Beiträge hier.

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      1. Ich denke, mit Aussagen wie "Eine Beziehung ist ein netter Pluspunkt und
        sollte mein Wohlbefinden steigern" in dieser Allgemeinheit muss man auch
        aufpassen. In jeder Partnerschaft gibt es auch schwierige Zeiten, die
        "nicht so schön sind" und die man ohne Partner sicherlich nicht hätte
        (dafür aber vermutlich andere Probleme).

        Meine Vermutung ist, dass in den gestörten Beziehungen betroffene
        Partner sehr gut darin sind, "Belohnungsaufschiebung" zu betreiben,
        sprich unangenehme Situationen in Kauf nehmen können, weil sie sich
        später von ihrem "Leiden" eine Verbesserung versprechen. In der
        Beziehung zum Bordi gibt es diese "Belohnung" aufgrund des primitiven
        Aufbaus der Beziehungsstruktur bei Gestörten denn auch immer mal
        wieder.

        Ich denke, es ist diese Einstellung, die einen Non allerdings in die
        "Bordi-Falle" laufen lässt. Denn die Entscheidung, wann er/sie sich
        selbst schützen muss und wann er "nur" schwierige Zeiten mit seinem
        Partner durchstehen muss, fällt den Betroffenen vermutlich ohnehin
        schwer. In der "Beziehung" (es sind keine Beziehungen) wird allerdings
        diese an sich positive Persönlichkeitsmerkmal (Akzeptanz und Fähigkeit
        von Belohnungsaufschub) zu einer üblen Falle.

        Richtig wäre es, "Nein" zu sagen und den Wutausbruch des Gegenübers
        ins Leere laufen zu lassen. Es ist eine klare Form der Co-Abhängigkeit,
        an deren Ursachen der betroffene Partner letztendlich auch arbeiten muss.

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      2. Ich stimme dir zu, dass in einer Beziehung sicher nicht immer alles perfekt sein muss oder dass man sich gleich beim ersten Streit trennt. Die Prämisse aus meiner Sicht ist dafür aber, dass die grundsätzliche Basis zwischen beiden Menschen stimmt.

        Dass mit der Belohnungsaufschiebung ist eine interessante, plausible Überlegung; ich kannte das soweit nur aus anderen Lebensbereichen, wo es in der Tat eine sehr nützliche Fähigkeit ist. Dann muss die erhoffte Belohnung sehr hoch sein für den Non, damit er sich sowas (geduldig) gefallen lässt und mit sporadischen "Raten-Zahlungen" zufrieden ist über einen längeren Zeitraum. Hmm ... ok insofern hat der Borderliner dann eine gewisse Macht über den Partner, weil er dessen Bedürfnisse so gut stillen kann (in guten Zeiten). Diese kann er jedoch nur haben, weil der andere so überdurchschnittlich bedürftig ist in diesen Punkten oder?

        Für viele/einige (?) andere Menschen würden sich subjektiver Aufwand und Ertrag wohl kaum lohnen. Vielleicht ist es für mich auch deshalb so schwer nachzuvollziehen, weil zu den typischen (negativen) Verhaltensweisen eines Borderliners in einer Beziehung nicht wenige Dinge zählen, von denen jedes einzelne für mich bereits ein [absolutes/relatives] Ausschlusskriterium wären. Ich muss zugeben, dass es mir als sehr egozentrischen Menschen tatsächlich schwerfällt, mich gut & umfassend in eine für mich so fremde Person hineinzuversetzen - ohne meine eigene Sicht/Einstellung mitzutransferieren. Dass war denke ich auch mein Fehler in meinem obigen Beitrag; bin zu sehr von mir ausgegangen.

        Deine sehr gute, strukturierte Erläuterung hat mir stark dabei geholfen, den Ablauf bzw. die Ursachen solcher Beziehungen trotz dieser Schwierigkeiten besser nachvollziehen zu können. Vielen Dank für deine Mühe. :)






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      3. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Für einen Non sind die Verhaltensweisen des "Bordis" objektiv auch klare No-Gos. Die Einschränkung ist aber das Wort "objektiv", denn in der extremen Gefühlssituation ist das "objektiv" leider längst flöten gegangen.

        Die betroffenen Bordis (es gibt auch andere) haben durch jahrelange Erfahrung gelernt, wie sie genau die Andockstellen ihres Gegenübers ausreizen. Sprich, in den Idealisierungsphasen drückt der Gestörte genau auf die richtigen Knöpfe beim Partner. Das führt zu völlig Verwirrung, weil zeitweise alles wunderbar" ist, aber dann sofort wieder direkt zu "letzte Stufe der Hölle" umschlägt.

        Letztendlich kann man es durchaus mit einer Sucht vergleichen: Im Rauschzustand ist alles wunderbar, der Rest de r Zeit ist die Hölle. Es dauert eine Weile, bis man das so begreifen kann; meistens passiert das wohl auch erst erst _nach_ der Beziehung. An dieser Anfälligkeit sollte der Non dann auch arbeiten.

        Menschen mit gut ausgeprägten Distanzierungsfähigkeiten sind gegen solche Abgrenzungsprobleme schlichtweg gefeit. Die haben dann auf der andere Seite oft ein Problem mit der Einfühlsamkeit ...

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      4. Das beruhigt mich, dass für den Non derartige Verhaltensweisen objektiv betrachtet auch nicht in Ordnung sind. Der Vergleich mit der Sucht ist gut - so in dem Sinne, dass man schleichend in diesen Kreislauf gerät und es erst erkennt, wenn man schon (zu) weit drinsteckt emotional. Es geht mir nicht darum, den Non abzuwerten; es ist nur interessant, warum sie sich so verhalten, wie sie es (typischerweise) tun. Dass es einem als sehr distanzierter Mensch häufiger an Einfühlsamkeit, emotionalem Mitschwingen usw. fehlt, stimmt natürlich auch wieder ;).

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      5. In dem Fall kann ich nur von dem Sprechen, was ich erlebt habe und mir ist im Nachhinein immer noch völlig unverständlich, warum ich bereits die ersten Ausbrüche habe durchgehen lassen. Bei anderen Menschen bin ich bei wesentlich geringeren Dingen schon kommentarlos verschwunden. Und bei den "Ausbrüchen", von denen ich hier rede, sind Vorfälle dabei, die ich bis heute aus Rücksichtnahme auf die Betroffene nicht veröffentlicht habe. Sprich: Auch hier im Blog steht nur die Spitze eines Eisberges.

        Was im Non vorgeht ist eine Mixtur aus "sie ist doch gar nicht so", "das ist nur eine Phase" und "aber sie kann auch _ganz_ anders", die einen da ausharren lässt.

        Es fällt einem ohne Wissen und Akzeptanz der Störung auch schwer, zu akzeptieren, dass ein Mensch gleichzeitig eine halbwegs normale Fassade leben und gleichzeitig immer und immer wieder in derartige Gefühlsstrudel fällt. Da ist man nur zu gerne bereit, dass als "Phase" abzutun, die "sich wieder gibt". Dass dieser emotionale Grenzzustand beim Bordi ein Persönlichkeitsmerkmal und damit dauernd vorhanden ist, begreift man entweder gar nicht oder erst viel, viel später.

        Nons dürften durch die Bank sehr empathische, einfühlsame Menschen mit hohem Verantwortungsgefühl sein. Am Anfang der Beziehung fühlt sich der Non gebraucht, geschätzt und geliebt (bzw. idealisiert). Das gleicht bei ihm dann (wenn vielleicht auch nur vorübergehend empfunde) eigene Defizite aus. Aber es gibt den Bordi Macht, was für ihn das einzige Mittel ist, seine Existenzangst zu bekämpfen.

        Das haben übrigens alle Cluster B-Persönlichkeitsstörungen gemeinsam: Die Betroffenen versuchen ihre Defizite letztendlich dadurch auszugleichen, indem sie Kontrolle über Ihre Umwelt (und Ihre Mitmenschen) erreichen wollen. Die Methoden sind nur jeweils andere.

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      6. Deine Beschreibung, was in dem Non vorgeht bzw. vorgehen könnte, hilft mir sehr beim Verständnis für dessen Verhalten. Glaube ich habe das Ganze am Anfang zu sehr von der rationalen, analytischen Perspektive aus betrachtet und zuwenig an die gefühlsmäßig-menschliche Seite dabei gedacht ... und die menschlichen Abwehrmechanismen hatte ich auch nicht auf dem Radar. Falls das versehentlich von oben herab rübergekommen sein sollte, entschuldige ich mich dafür.

        Ich denke es ist nur allzu menschlich sehr und manchmal sicher auch zu nachsichtig mit Menschen zu sein, die einem sehr nahestehen. Dass es dauert bis man erkennt, dass es eine grundlegende Persönlichkeitseigenschaft des Partners ist und nicht bloß eine "schlechte Phase" verstehe ich sogar sehr gut. Schätze, dass würde sogar recht vielen Menschen so ergehen.

        Mich hat hauptsächlich gewundert, dass der Non gegen Ende dennoch den Tatsachen lange nicht ins Auge schaut, obwohl sie einen geradezu anspringen und er auch selbst sehr leidet. Etwas zynisch ausgedrückt: Die Hoffnung (auf Besserung bzw. das alles wieder gut wird) stirbt zuletzt. In dem Austausch hier mit dir ist mir klar geworden, dass dies der Punkt ist, den ich dabei am schwierigsten nachzuvollziehen gefunden habe. Aber du hast sehr anschaulich erklärt, welche Faktoren dazu führen, dass der Non so lange ausharrt. Wie gesagt vielen Dank dafür und für deine Geduld.




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      7. Ich finde den Artikel hier sehr interessant, da es sich bei mir genau so verhalten hat. Ich war fünf Jahre in einer Beziehung mit einer Borderlinerin und habe ihr auch die Wutausbrüche immer wieder verziehen - in der Hoffnung es würde sich etwas ändern. Auch ich kann von mir nicht behaupten, dass ich nicht wahrgenommen habe, dass mit ihr etwas "nicht stimmt" - aber ich wusste zu der Zeit noch nicht, dass sie Borderlinerin ist. Das komplette Ausmaß habe ich erst nach der Beziehung verstanden. Ich bin an diesen Stimmungsschwankungen fast zerbrochen, habe aber trotzdem "ausgehalten" und mich auf im Nachhinein gefragt: WIESO? Eben weil ich in diesen Suchtkreislauf geraten war und sie auf der anderen Seite auch sehr nett und lieb sein konnte...bis zum nächsten Wutausbruch. Hinzu kamen Manipluationen, Lügen, Abwertungen schlimmster Form, Essstörung, Zwangshandlungen, Phobien. Heute ist mir aufgrund des Krankheitsbilds der Zusammenhang bewusst, aber wenn man unwissentlich in eine Beziehung mit einem Borderliner geht - dann kann man dies als Non nicht begreifen! Sicherlich war ich zu gutmütig und nachsichtig - ich wollte ihr helfen - auch das ist etwas, was in einer normalen Beziehung möglich ist - aber eben nicht in einer BL-Beziehung! Alles, was man macht ist falsch! Als ich sie mehr und mehr "erkannte" und durchschaute und ihr dies klar wurde, da wurden ihre Übergriffe mir gegenüber noch heftiger. Und als ich sie gebeten habe eine Therapie zu machen, da hat sie sich stattdessen einen neuen Partner gesucht - das war einfacher für sie!
        Und jetzt mal meine Frage: angenommen BL trifft auf einen Partner, der diese ganzen Wutausbrüche, Lügen und Manipulationen nicht durchgehen lästt, der dominanter ist als der Borderliner, härter durchgreift und sein Ding macht...würde sich BL dann anders verhalten? DAS glaube ich nämlich nicht! Vielleicht wird BL am Anfang all das mitmachen, um nicht alleine zu sein und die Maske nicht ablegen zu müssen, aber irgendwann wird BL zurückschlagen und die Maske fällt auch hier. Oder? Ich glaube, egal wie man als Non ist - der BL wird immer sein Spielchen spielen, er wird sich keine Grenzen setzen lassen und sich nicht unterordnen!

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      8. Ich habe mal eine Definition von "Schwachsinn" gelesen: Schwachsinnig ist man dann, wenn man ein und dasselbe Problem immer wieder mit derselben Methode lösen will und dabei immer wieder scheitert ohne zu begreifen, warum man keinen Erfolg hat.

        Inzwischen ist das für mich die beste Beschreibung für eine Persönlichkeitsstörung.

        Das Auf-und-Ab zwischen Idealisierung von Hass ist Teil des BL-Programms. Wenn man in der Lage ist, Grenzen zu setzen und die Wutanfälle des BLers totlaufen lässt, wird dieser vermutlich wutentbrannt davonstürmen und alle Provokationsregister ziehen. Danach kommt er entweder wieder oder eben nicht. Steuern kann man da wohl gar nichts.

        Einer dominanten Person wird sich der BLer in der Idealisierungsphase vermutlich total unterordnen. Je nachdem, wer da gerade idealisiert wird, ändern sich da ganze Lebenseinstellungen. Selbst erlebt. Die "Angst vorm Verschlungenwerden" ist aber dann vermutlich nicht weit.

        Wenn ich beurteilen soll, was für den BLer gefährlicher ist: Dominante Distanzierung mit Zurückweisen seiner Übergriffe oder Verständnis, fällt mir das schwer. Verständnis für einen Borderliner macht Dich zur Bedrohung ("omg, der weiß, wie ich wirklich bin, das darf doch keiner wissen"), Dominanz ("omg, wer bin ich eigentlich noch, ich habe Angst mich selbst zu verlieren?") ebenso.

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      9. Das sich ganze Lebenseinstellungen des BLs verändern ist sehr interessant und habe ich auch beobachtet. Der neue Partner meiner ExBL ist ein komplett anderer Typ, als ich und da wir leider aus beruflichen Gründen teilweise noch Kontakt haben, beobachte ich bei ihr nicht nur äußerlich, sondern auch vom Lebensstil komplette Veränderungen. Insofern, dass Sie Dinge macht, die sie früher strikt abgelehnt hat oder sich äußerlich in einer Form verändert, die ihr früher nicht gefiel. Auch vom Typus her scheint der neue Partner dominater und energischer zu sein und sie sich komplett unterzuordnen. Und natürlich tritt bei mir die Frage auf, die sich sicherlich viele Expartner stellen: ist sie in der neuen Beziehung anders, als bei mir? Hat er sie besser im Griff bzw. verhält sie sich ihm gegenüber "normaler"? Aber ich denke auch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ihre Maske fällt udn zu Anfang einfach alles gemacht wird, um den Partner an sich zu binden. Das fing schon damit an, dass sie mit ihm nach 2 Monaten zusammengezogen ist - kurz vorher war ich erst ausgezogen. Also alles wie vorher..?! Nur mit anderer Besetzung. Aber zugegeben warte ich auf eine Art Bestätigung dafür, dass es nicht an mir lag, sondern in der neuen Beziehung genauso abläuft, vielleucht anders, aber mit demselben Ergebnis und gleichen Strukturen. Das muss ich mir leider eingestehen...!

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      10. Ich vermute mal, Du machst Dir immer noch Gedanken, ob Du "etwa hättest verhindern können, wenn Du Dich anders verhalten hättest". Das ist in Bezug auf Deinen eigenen Charakter sehr löblich, im Fall kann ich allerdings nur sagen: Es ist sinnlos und tut Dir wohl auch nicht gut.

        Aber ich kann es Dir dennoch nachvollziehen. Man möchte diese Demütigung irgendwie rationalisieren und sich selbst beweisen, dass man kein schlechter Mensch ist oder dass man tatsächlich keine Wahl hatte, als völlig blind in diese Situation zu stolpern. Verwirrung und Unsicherheit dominieren in Bezug auf das Thema immer noch.

        Ich weiß, es ist schwer und es kann sicherlich noch eine Weile dauern, aber stelle für Dich fest: Sie hat offenbar eine schwere Beziehungsstörung; wenigstens aber war sie ganz klar mit DIR nicht kompatibel und das wird sich auch nicht ändern. Es ist durchaus möglich, dass sie jetzt jemanden hat, der mit ihrem Verhalten besser umgehen kann. Wenn sie sich ihm gegenüber genauso verhält, wie Dir gegenüber, dann schafft er es offenbar, sich von Ihr zu distanzieren. Ob das jetzt dann wirklich eine "Beziehung" ist, sei mal dahingestellt. Wenn sie sich ihm gegenüber anders verhält, ist das in ihrer Verantwortung und entschuldigt ihre Angriffe auf Dich in keiner Weise.

        Eine Bestätigung wirst Du vermutlich nicht bekommen, denn diese Blöße wird sie sich auf keinen Fall geben. Vergiß nicht, Du bist der "Feind", "schwarz", "böse" und es ist "alles Deine Schuld". Du kannst natürlich weiter hinter der Fassade nach irgendwelchen Anzeichen dafür suchen, dass wieder dasselbe Spiel läuft, um die Bestätigung dafür zu bekommen, dass Du Recht hast. Damit hängst Du aber letztendlich nur weiter an der Angel, selbst wenn sie das gar nicht merkt.

        Aallein die Hinweise, die Du jetzt hier geschildert hast, wären für mich --inzwischen-- schon ausreichend um zu sagen: Meine Meinung ist ausreichend fundiert, die Frau ist offenbar gestört. Mit gestörten Frauen gebe ich mich nicht ab, das ist nur anstrengend.

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      11. Danke für deine ausführliche Antwort! Es stimmt - ich frage mich in der Tat, ob ich das alles hätte verhindern können - aber tief in mir drin stelle ich immer wieder fest: nein, hätte ich nicht. Ich habe, leider erst nach der Beziehung, erfahren, dass sie eine Borderlinerin mit narzisstischen Zügen ist. Das wurde von einem Therapeuten festgestellt. Demnach weiß ich, dass es nicht an mir liegen kann - aber ich wünsche mir, trotz des ganzen Wissens darum, eine Art Beweis. Das mag jetzt merkwürdig klingen, würde mich aber irgendwie "beruhigen". Ich kann mir vorstellen, dass sie sich in einer Beziehung zunächst unterwirft oder anpasst - das hat sie ja quasi bei mir dann auch gemacht, aber irgendwann kann sie dem nicht mehr standhalten. Bei mir fing das nach ca. 1,5-2 Jahren an - ab dann wurden ihre Wutausbrüche und Lügen immer heftiger. Und je mehr ich mich wehrte, umso mehr holte sie aus. Ich habe festgestellt, dass sie mich provoziert, bis ich reagiere, um mir dann genau diese Reaktion als "böse" auszulegen. Und ich bin mir sicher, dass sie dies macht, weil sie wahre Nähe gar nicht ertragen kann. Ich hasse dich - verlass mich nicht - dieses Buch ist bekannt und sagt meiner Meinung nach alles. Trotzdem muss ich sagen, dass diese Persönlichkeitsstörung auf dieser Seite sehr gut beschrieben ist und auch andere Inhalte zur Geltung kommen, die ich auf anderen Seiten nicht in dieser Deutlichkeit gefunden habe. Ich habe mich direkt angespochen gefühlt. Ich möchte sie auch nicht zurück - und ich weiß auch nicht, wie sie sich momentan in ihrer neuen Beziehung verhält. Vielleicht hat sie ja ihren Meister gefunden..! Was ich mir aber nicht vorstellen kann, ist, dass sie sich Grenzen setzen lässt. Irgendwann, das ist zumindest meine Erfahrung, wird einem alles, was sie angeblich gerne für einen getan hat auf´s Butterbrot geschmiert. Dann wird alles, was man als echt und wahrhaftig empfunden hat in der Beziehung verdreht und abgestritten, als hätte es dies niemals gegeben. Ich musste, mit dem Wissen, das ich nach der Beziehung hatte, diese noch einmal neu durchleben. Ich musste noch mal zurückgehen, rein gedanklich, um mir vieles erklären zu können und um es zu verstehen, soweit das überhaupt möglich ist. Mir ist bewusst, dass ich niemals eine Bestätigung, Erklärung oder Entschuldigung von ihr bekommen werde...ich werde es wohl einfach als das hinnehmen müssen, was es ist: eine Bordeline Beziehung, die Gott sei Dank vorbei ist. Alle Punkte, die du hier aufgezählt hast kann ich unterstreichen, bei jeder Frage habe ich "Ja! gesagt und gedacht, dass es bei mir genauso war! Danke für deine Worte!

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      12. Ich hatte damals größere Schwierigkeiten die Situation zu begreifen. Das hat alles sehr lange gedauert. Ich finde es daher sehr gut, dass mein Blog jemandem verstehen hilft. Vielleicht komme ich irgendwann dazu, ein Manuskript aus den ganzen Texten zu machen ;-).

        Zum Verhalten: "Meine" kam damals nach acht Wochen Tagesklinik mit der Aussage "Depression und Wutstörung" (die letztere Diagnose gibt es nicht) wieder zurück. Danach war ich an allem Schuld, vor allem daran, dass sie das in der Therapie Gelernte nicht erfolgreich anwenden konnte. Diesmal war am mangelnden Therapieerfolg eben nicht der Therapeut, sondern ich schuld. Die Therapeutin wurde zu dem Zeitpunkt nämlich idealisiert. Ich habe keine Ahnung, ob sie bis heute überhaupt eine zuverlässige Diagnose bekommen hat, aber ich habe inzwischen für mich eine sehr zuverlässige, nachdem ich die Situation
        eine erfahrenen klinischen Psychologen im Detail geschildert habe.

        Nachdem sie dann Schluß gemacht hatte, ist sie dann sehr deutlich auf Provokationskurs gegangen. Sie hatte dabei auch wohlwollende Hilfe von zwei Personen, die ganz offensichtlich ähnliche Störungen haben. Gleich und gleich gesellt sich gern.

        Ich bin mir da bis heute nicht im Klaren, ob sie dabei gar nicht gemerkt hat, wie sie provoziert, oder ob es tatsächlich eine bewusste Handlung war. Ich vermute aber die "übliche" "projektive Identifikation" in der Form "ich möchte ihn jetzt provozieren, also erwarte ich ihm von, dass er mich provoziert". Wenn man genau hinhört, merkt man, dass da unter der Fassade vor allem die eigene Gefühlswelt bloßgelegt wird. Sprich: die Angriffe sagen mehr über die (kaputte) Denkweise das Angreifers als über den Angegriffenen.

        Bei mir war der Ablauf in der "Beziehung" allerdings wesentlich schneller. Ich war nach drei Monaten therapiereif und habe dann nochmal drei Monate "gelitten", bis mir dann der Kragen geplatzt ist und ich nicht immer nur die Verantwortung bei mir gesucht habe. Dass ich mich plötzlich zur Wehr setze, hat sie dann nicht verstanden.

        Es ist durchaus möglich, dass "Deine" jemanden gefunden hat, der an ihre Störung so andockt, dass sie sich gegenseitig ausgleichen. Es gibt da so "ewig verzeihende, aber klare Ansagen machende Papaersatz-Männer". Allerdings muss man sich bei denen dann fragen, was diese aus der Beziehung ziehen und ob da nicht eher das Stichwort "Co-Abhängigkeit" ist. Und ob das bei der emotionalen Instabilität eines Bordis hält, sei mal deutlich in Zweifel gezogen.

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      13. Wenn ich das mal zusammenfasse, dann ist das Verhalten der BLs in Beziehungen immer gleich. Gut, jeder Partner hat auch wieder seine Eigenarten...aber darauf kann ein BL sich ja bekanntlich äußerst gut einstellen. Das mit dem Provozieren kenne ich genauso wie du! Ob es unbeabsichtigt ist oder nicht...das weiß ich auch nicht genau, aber ich tendiere dazu, dass Blchen ganz genau weiß, was sie in dem Moment tut. Sie provoziert, um eine Reaktion zu erhalten und damit den Beweis, dass DU der Böse bist (wenn du entsprechend reagierst....und das machen wir alle irgendwann, denn die Provokationen werden immer heftiger und unverschämter). Ich habe meine Ex mal auf Tonband aufgenommen ohne das sie es bemerkt hat (mit dem Handy) und anhand dieser Aufnahme hört man ziemlich gut heraus, dass sie immer wieder die gleiche Leier abspulte - wie auswendig gelernt. Auch die Stimmer klingt kalt und berechnend - so nach dem Motto: jetzt provoziere ich da, wo es ihm weh tut, bis er reagiert! Die wissen ja irgendwann ganz genau, was sie machen müssen, um deine Knöpfe zu drücken. Am Anfang war es positiv und dann dreht es sich ins Negative. Aber du hast recht - ich habe mal irgendwo gelesen, dass die Art und Weise und die Form der Provokation sehr viel über die eigentlichen Schwachstellen des Bls aussagen. Auch die Heftigkeit gibt die Intensität der eigenen Verletzung preis, da sie ja nur ihr eigenes Ich auf uns übertragen/spiegeln. Ich war übrigens auch nach Ende der Beziehung in Therapie - und erst der Therapeut hat mir die Augen geöffnet. Ich wäre von alleine nie darauf gekommen, wie manipulierend und verlogen diese ganze Scheinwelt war. Und wenn man sich zur Wehr setzt, dann verstehen sie das auch nicht, da sie eigentlich gar nicht reflektieren (können), was sie getan haben - dir angetan haben. Und schuld war auch immer nur ich - wer auch sonst - sie war ja frei von jeder Schuld.
        Ich denke, dass egal wie man ist - irgendwann sucht man das Weite in einer Beziehung mit einem Bl. Welcher Mensch sollte das alles aushalten? Immer wieder die Wutausbrüche, Beschimpfungen verzeihen, die Lügen dulden, die Übergriffe akzeptieren, die Widersprüche hinnehmen, selber immer zu kurz kommen....wer bitte macht so was ewig mit? Sicherlich niemand mit einem gesunden Selbstbewusstein! Und ich glaube auch nicht, dass BL sich ewig unterordnet. Sie tragen Masken, um zu gefallen und es kostet sie immens viel Kraft diese aufrecht zu erhalten...aber irgendwann rutscht die Maske und dann kommt das wahre Gesicht zum Vorschein. Anfangs denkt man an einen Ausrutscher....aber das ist der Anfang vom Ende. Man weiß es nur nicht - genauso wenig wie man weiß, dass es dem BL gar nicht um einen selber als Menschen geht, sondern man nur ein weiteres Objekt ist, dass ausgesaugt werden kann....und so dreht sich das Rad immer weiter...!
        Überleg mal: da hast du deine Exfreundin bei der Therapie unterstützt und bist schuld, dass die Therapie nicht erfolgreich war. Das ist so typisch! Bei "Meiner" war es irgendwann sogar so, dass ich schuld war, wenn das Wetter im Urlaub schlecht war....;-)

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      14. Gute Zusammenfassung und auch gute Schlußfolgerung.

        a) Was habe ich davon einer Beziehung mit einer BLerin? Stress, Herabwürdigungen, Angriffe, Vertrauensbrüche. Wenn man sich dann fragt, was man _glaubte_ in der Beziehung gefunden zu haben, findet man oft sein eigenes Problem. Bei mir war es damals, dass ich diese Beziehung auf Biegen und Brechen retten wollte. Ich habe zuviel Verantwortung übernommen und dafür gezahlt. Die Lektion war teuer, aber sie hat mir durchaus etwas gebracht.

        b) Meine hat mir irgendwann mal von früheren "Scheinbeziehungen" erzählt, die sie geführt hat. In dem Sinne: Ich habe da einen Kerl, der mir meine Bedürfnisse erfüllt, den ich aber (emotional) nicht so nahe an mich heranlasse. Da sie den Typen gleich von Anfang an nicht für voll genommen hat, war auch die emotionale Belastung für sie wohl erträglich. Aber welcher (nicht völlig verzweifelte) Mann spielt solche Spiele mit? Gleichberechtigte Beziehung geht also in jedem Fall nicht.

        Eigentlich müssten sie einem ja leid tun. Aber sie streuen soviel Leid in ihre Umwelt, dass das meiner Ansicht nach einfach nicht angebracht ist.
        Ich hab --wie hier geschrieben-- bis heute den Anwaltsbrief mit der Verleumdung in einem Extra-Ordner liegen.

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    4. Bei mir war es genau wie bei dir:
      Ich glaubte auch immer die Beziehung retten zu können und ich hatte immer die Hoffnung, SIE würde sich vielleicht doch irgendwann ändern. Das sie ihre Therapie, die für mich wie eine Rettung schien, eigentlich nur als Absprung in die nächste Beziehung genommen hat - das hat mir letzendlich den Boden weggezogen.
      Verantwortung: wichtiger Punkt! Meine übernahm gar keine Verantwortung - sie schob immer "alles" zu mir und so wurde meine Verantwortung immer größer und ihre immer kleiner. Dieser Prozess kam schleichend....auch mit dem Hintergrund, dass sie mich, wenn etwas schief ging, für alles verantwortlich machen konnte und ich somit wieder schuld war! Ein ewiger Kreislauf!
      Ich glaube übrigens auch, dass wenn BLs sich einen Partner wählen, der sie emotional nicht so sehr erreicht, das Nähe-Distanz Problem eventuell nicht so stark zum Ausdruck kommt. Ein Partner, der allerdings ständig Nähe fordert und immer anwesend ist, der verschlingt den BL auf kurz oder lang....und BL flüchtet.
      Ich glaube es gibt keinen idealen Partner für BL und wir haben auch nicht´s falsch gemacht. Natürlich können sie einem leid tun, aber ein BL, der weiß, dass er diese Persönlichkeitsstörung hat und dagegen nicht´s unternimmt....der reflektiert nicht und sollte sich schämen von einem Opfer zum nächsten zu wandern und Herzen & Seelen zu zerstören. Da du von Anwaltsbrief sprichst: ich traue meiner Ex auch alles zu...leider. Sie hat meine Möbel hinter meinem Rücken verkauft, mir Rechnungen geschrieben für unangebrachte Dinge, mich finanziell ausgenommen und nach Strich und Faden belogen. Man muss immer auf der Hut sein und darf niemals vertrauen! Wer das nicht selber erlebt hat, der glaubt es nicht....!

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      1. da muss aber die SELBSTVERANTWORTUNG grundlegend fehlen,wenn man das so lange mitmacht.das find ich auffällig.warum lässt man sich das antun?

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    5. ich glaube,BL's verachten menschen,die ihnen keine grenzen setzen.aber mache das mal,..,mit der intensität,mit der sie jede grenze durchrempeln..als suchen sie ein übermenschliches wesen,der sie endlich von ihrem schrecklichen treiben erlöst.manche provozieren meines erachtens sogar gewalt,weil sie nur diese fühlen und die worte vorher gar nicht wahrnehmen.als fehle ihnen nervenmasse in den sinnen.das wird auch so sein.den BL-er,den ich kenne,den muss man sozusagen erst mit einer keule auf den kopp hauen,bis er aufhört mit seinen nervereien.er wurde als kind oft verprügelt und scheint da die zuständigen fühlbereiche für schmerz abgestellt zu haben.und ich hab ihn aber nicht mit der keule e.t.c und da wurde er sauer...das hat jahre gedauert,bis ich das verstand.

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      1. Das ist oft wirklich genau das, was ein BL will oder glaubt zu wollen:
        Die Möglichkeit serviert bekommen, das Theater noch auszuweiten und zu potenzieren, auch wenn er erst mal "klein bei" gibt.
        Der BL merkt sich alles (auch wenn er's zwischendurch "vergisst") und dann bist du der Böse. Biste aber sowieso schon, wenn erst mal die Abwertungslawine losgetreten wurde. Wenn die Lawine aber schon rollt, dann rollt sie mit Vollast.

        Mir wär's zu risky. Die Keule nur als Notwehr, nicht weil ein BL das gern so hätte.
        Ich übernehme da doch nicht den Part seiner prügelnden Eltern, quasi nur damit der BL seine unverarbeiteten Erlebnisse in Form von Hass usw. noch besser auf mich übertragen kann um hinterher auf mich zu zeigen und "Täter!" zu schreien.
        Nebst möglicher Anzeige bei der Polizei und dem ganzen Rattenschwanz, den sowas noch nach sich ziehen kann.
        Nicht so weit in den Strudel reinziehen lassen!

        So long,
        №17

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