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Dienstag, 5. Juni 2012

Manipulationstaktiken 1

"Andere verantwortlich machen" ist eine wichtige Disziplin in der großen (Un-)Kunst der Manipulation. Dem Manipulator geht es immer darum, den eigenen Willen durchzusetzen, bzw. das eigene Ego aufzubauen. Da dies ein aggressives Verhalten ist, muss viel Arbeit geleistet werden, damit die Verantwortung für die entstehenden Konflikte nicht dem Manipulator  angelastet wird. Eine leider gut funktionierende Methode ist es, die eigene Meinung nicht als solche erscheinen zu lassen, sondern stattdessen andere zu Aussagen zu bewegen.

So kann sich der Manipulator zum Besipiel Meinungen von anderen so aneigenen, dass er sie zwar vertritt, aber nicht die Verantwortung dafür übernimmt.

An Meinungen anhängen

A: "Sie sollten froh sein, dass sich überhaupt jemand für sie interessiert."
M: "Dieser Haltung kann ich zustimmen."

Die Aussage A ist eine klare Herabwürdigung des Gegenübers, also eine Beleidigung. Dass M hier aber genauso beleidigt, tritt dabei oft in den Hintergrund.  

A wird von M wie eine Art menschliches Schutzschild mißbraucht, da sich eine eventuelle Aggression des Beleidigten (und sei es nur durch Zurechtweisung) gegen A richten wird. Der Manipulator M hat sich also durch geschicktes Manövrieren aus der Schußbahn gebracht.

Wenn A sich der Situation nicht hinreichend bewusst ist, hat M jetzt sogar einen Stein im Brett: Schließlich hat er sich in einer heftigen (es wird ja persönlich angegriffen) Streitsituation vermeintlich auf seine Seite gestellt. Dass M sich tatsächlich vielmehr aus der Verantwortung bugsiert hat, ohne auf sein eigenes, aggressives Handeln zu verzichten, fällt den meisten vermutlich gar nicht auf.

Sollte sich M dennoch jemals rechtfertigen müssen, werden seine Ausflüchte vermutlich wie folgt lauten
  • er habe ja nicht beleidigt, sondern A
  • er habe ja nicht der Beleidigung an sich, sondern nur der "Grundhaltung" von A zugestimmt.
Damit ist er vermeintlich fein heraus.

In vielen Fällen hilft es hier, einen weiteren Kontext zu betrachten. Es kann durchaus sogar sein, dass M A erst durch Polarisierung und "schlecht machen" von B zu der Beleidigung verleitet hat.

Eine gesunde Gesprächskultur (mit findiger Moderation), wird den Konflikt offen ansprechen und auch M nicht aus seiner Verantwortung entlassen. Doch hierfür benötigt es aufmerksame und findige Diskussionsleiter.

Ist einmal bekannt, dass jemand zu manipulativem Verhalten neigt, ist es oft nicht mehr schwer, die Taktiken aufzuspüren und aufzudecken. Dazu bedarf es aber einer Umgebung, die derartige Diskussionen zulässt und nicht unterdrückt (ein Gegenbeispiel findet man meiner Ansicht nach zum Beispiel hier). Diese konstante Anspannung verlangt allerdings viel Kraft ab, weswegen es letztendlich das Beste ist, einem erkannten Manipulator möglichst aus dem Weg zu gehen. Dieser hat sein Fehlen von Respekt für die Rechte anderer ja bereits mehr als nur deutlich zu Schau gestellt.

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