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Donnerstag, 26. Januar 2012

Validation

Handlungsvalidierung hatte ich ja schon mal. Da ging es darum, dass es manchmal sinnvoll ist, Abstand von den eigenen Handlungen zu gewinnen und sie nochmals zu überdenken.

Die Validation ist damit nicht zu verwechseln. Sie ist ein Begriff aus der Sozialen Arbeit, bzw. aus dem Pflegebereich. Naomi Feil, die Entwicklerin der Methode hält fest:

„Validieren bedeutet, die Gefühle des anderen anerkennen und zu bestätigen. Sagen, dass seine Gefühle echt sind. Das Ablehnen seiner Gefühle macht den anderen unsicher. Die Erlebniswelt basiert auf Erinnerungen und Wunschdenken; sie ist die persönliche Sicht der Wirklichkeit, die Wahrnehmung mit dem geistigen Auge. Die Erlebniswelt ist eine innere Wirklichkeit.“ [1]

Vielleicht werden nun einige aufschreien und sagen, es handle sich schließlich um eine Anleitung für den Umgang mit Demenzkranken. Ich denke, aber, dass wir aus den angewendeten Techniken alle noch etwas lernen können.

Validation soll dem anderen das Gefühl geben, dass seine Interessen, Gefühle und Wünsche anerkannt werden. Ich behaupte mal, Gegenteil der Validation ist die Abwertung.

Ein paar Beispiele:

A: "Ich sehe das so ..."
B: "Hätte ich fragen wollen, ob das so  ist, hätte ich das auch gefragt, und zwar jemanden, der sich mit sowas auskennt."


A: "Ich habe Deine Aussage so interpretiert, dass ..."
B: "Diese Interpretation lässt meine Aussage nicht zu!"

oder auch

A: "Ich habe Deine Aussage so interpretiert, dass ..."
B: "Du verlangst das tatsächlich? Also ich stell mir das schrecklich vor! Ist das nicht ein wenig krass?"
A: "Ich habe Deine Aussage so verstanden ..."
B: "Ich kann nichts dafür, wenn Du Dir die Dinge immer so hinbiegst, wie Du sie hören willst!"


Die Antworten sind in allen Fällen Abwertungen des Gegenübers. Es wird nur deutlich gemacht, dass die Interpretation des Gegenübers falsch, dass seine Wünsche schlecht sind  ist und damit seine Meinung invalidiert. Vielfach wird (wie im dritten Beispiel) dann auch noch zu beleidigender Polemik ("immer und überall", eine Alternative zum bekannten "IMMER machst Du das!") gegriffen. Das Dritte Beispiel ist besonders böse, weil A hier tatsächlich den Fehler einer inkorrekten Interpretation macht. Es wird dennoch deutlich, dass B hier aber nur allzugern bereit ist, die Verantwortung für den Konflikt A in die Schuhe zu schieben.

Die obigen Aussagen sind auch Schuldzuweisungen: "Du bist verantwortlich für diesen Streit" steht da ziemlich direkt. In den meisten Fällen entsteht der Konflikt durch Unklarheiten, durch Mehrdeutigkeiten. Die Verantwortung für die Auflösung der Fehlinterpretationen liegt aber meiner Ansicht nach nicht einseitig bei einem der Beteiligten.

In diesem Sinne hat Validation auch etwas mit Streitkultur zu tun und ist dort auch hilfreich. Invalidierung bedeutet, dem anderen zu vermitteln: Ich werde Deine Meinung ohnehin nicht berücksichtigen. Invalidierung ist also ein persönlicher Angriff, oftmals sogar eine Beleidigung.

Validation ist besonders bei Reizthemen sehr wichtig: In einer guten Streitkultur sollen sich die Beteiligten bestätigt fühlen und das Gefühl bekommen, dass ihre Meinung ernst genommen wird. Auch das lächerlich machen der eigenen Aussagen ist übrigens eine Invalidierung: Es vermittelt dem Gegenüber das Gefühl, dass der ganze Streit nur eine Farce ist, eine klassische Doppelbindung, also. Wer will sich schon mit Leuten abgeben, die einen nicht ernst nehmen?

Überspitzt auf den Punkt gebracht und als Querreferenz für andere Blog-Einträge: Narzissten sind süchtig nach Validierung, aber sie validieren nicht oder nur nur zum Selbstzweck.

Den anderen abzuwerten, wenn dessen Verhalten mit den eigenen Wünschen in Konflikt kommt, ist einfach. Es fällt einem umso leichter, je unsicherer man selbst ist.

Validation vermittelt die Botschaft "Deine Gefühle und Wünsche" sind mir nicht egal, ich möchte sie berücksichtigen. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen allein mit dem Konzept an sich Schwierigkeiten haben.

A: "Ich sehe das so ..."
B: "Ah, okay. Das kann ich verstehen. So wollte ich das aber nicht verstanden haben. Ich hatte das anders gemeint ..."

A: "Ich habe Deine Aussage so interpretiert, dass ..."
B: "Du verlangst das tatsächlich? Also ich stell mir das schrecklich vor! Ist das nicht ein wenig krass?"
A: "Ich habe Deine Aussage so verstanden ..."
B: "Das kann ich verstehen. Das ist aber nicht, was ich gemeint hatte."

 [1] Naomi Feil, Vicky de Klerk-Rubin: Validation. Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen. 1990

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