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Mittwoch, 21. Dezember 2011

Handeln ist strafbar, Denken nicht.

Ich saß mal bei jemandem im Auto, der mit seinen Aggressionen nicht so ganz im Reinen war. Er hatte etwas, dass man wohl am besten mit "intermittierender Wutstörung" beschreiben kann. Man kann auch sagen, die cholerischen Anfälle der Person waren legendär und --ehrlich gesagt-- angsteinflössend (die Betroffene Person war inzwischen in Therapie und hat die Diagnose nun auch offiziell: Wutstörung. Diese Diagnose gibt es zwar nicht, aber gut ...).

Geholfen hat es wohl noch nicht viel: Immer, wenn etwas nicht so läuft, wie er das gerne hätte, dreht er durch. Nun, eigentlich nicht immer. Wenn etwas nicht so läuft und keine gesellschaftlichen Folgen zu befürchten sind. Und wenn das Wetter schlecht ist. Und wenn im morgens der Kaffee nicht geschmeckt hat. usw. usf.

So gibt es zum Beispiel einen Grund (neben dem dass er mir geflissentlich aus dem Weg geht, weil ich seine Wut- und Hassanfälle bloßstelle), warum ich nicht mehr bei ihm im Auto sitzen werde: Ich hatte den Spass schon mal und es macht mir Angst.

Es gibt so Dinge, da rege ich mich persönlich eher auf. Lügner machen mich wütend, wenn Ihre Lügen andere beeinträchtigen, was erstaunlich oft der Fall ist Wenn aber jemand noch vor dem Ortsende glaubt, er müsse mich überholen, weil es ihm zu langsam geht, ist das sein Problem, nicht meines. Ich muss schon einen ziemlich beschissenen Tag gehabt haben oder die Situation muss echt ausarten, damit so ein Verhalten mich auf die Palme bringt.

Unser Choleriker drehte bei so einer Aktion allerdings einmal völlig durch. Er überholte den "Sünder", setzte sich vor ihn und bremste ihn vor der nächsten Ortseinfahrt derbst hinab. Schließlich MUSS man da ja langsam fahren und dieser Idiot hat es ja nicht anders verdient. Die gewagte (übersetze: hochgefährliche) Bremsaktion wird natürlich runtergespielt. Beweisen kann einem leider ohne Zeugen eh keiner was.

Der Gesetzgeber sieht in derartigen Aktionen natürlich vehement Widersprüche zum Grundgedanken von § 1 StVO. Der unnötige scharfe Bremsvorgang war ja bewusst herbeigeführt und nicht notwendig. Die Schwelle zur Nötigung ist da schnell ([1], manchmal auch nicht [2]) überschritten. Davon, dass dieses Verhalten natürlich mit voller Absicht einen Unfall provoziert und damit der Versicherungsschutz in den Wind geschossen wird, kann man auch ausgehen.

Als ich die entsprechende Aktion als Gefährdung anmahnte und mir Mäßigung wünschte, wandte sich der Zorn des Cholerikers gegen mich. Er machte seinem Zorn auf mich dann durch weitere riskante Fahrweise Luft.

Meine Meinung dazu heute: (a) Ich hätte ihn bitten sollen, mich abzusetzen (b) Der Mann braucht keinen Führerschein, sondern eine Therapie. Vorzugsweise etwas mit Elektroschocks. Und (c) ich möchte in dessen Auto auch auf keinen Fall mehr mitfahren. Ich hänge an meiner Gesundheit. Sehr sogar.
Ich weiß ja nicht, wie Ihr das seht, aber für mich ist das nichts anderes, als eine sehr kindhafte und vor allem boshafte Reaktion. Dummerweise hat sich wohl jeder schon mal bei dem Gedanken an derartige Racheaktionen ertappt. Der wichtige Unterschied ist: Denken ist nicht (und hoffentlich auch in Zukunft nicht) strafbar. Man kann es auch gar nicht verhindern: Unser Gehirn schaltet die Möglichkeit, ein empfundenes Unrecht aggressiv zu "lösen" immer mit automatisch mit zu. Schon ob der Gedanke bewusst wird, entscheidet unser Gehirn in Sekundenbruchteilen ohne aktives Nachdenken. Ob wir dann auch so handeln, ist allerdings immer noch unsere Entscheidung.

Wer so impulsiv ist, dass er sich schon bei solchen Kleinigkeiten, wie einem jener Problemfahrer, denen es nie schnell genug gehen kann, zu rechtswidrigen Handlungen neigt, der gehört nämlich auch nicht in den Straßenverkehr. So einfach ist die Sache.

Kommentare:

  1. Hier geht es mir um das Grenzen setzen. Erst wenn etwas passiert, greifen die Sanktionen der Gesellschaft.

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  2. Hass- und Wutanfälle bloßzustellen, sowie auch diversen Unsinn (Lügen, Manipulierereien, etc.) aufzudecken, kann heikel werden. So mancher "Wutgestörte" rastet bei Kritik erstrecht aus.
    Ich hatte ebenfalls Dusel bei meiner letzten derartigen Bekanntschaft. Der Typ machte sich ebenfalls rar, als ich ihn auf diversen Mist angesprochen hatte. Was es mir wiederum erleichterte, mich komplett aus seiner Reichweite zu begeben.

    Das müsste direkt mal wissenschaftlich untersucht werden, da wären Richtwerte für Angehörige, etc. interessant: Wie hoch stehen die Chancen, dass das Blödsinn-Aufdecken den wütenden Parasiten vertreibt anstatt ihn erstrecht in Rage zu bringen und woran erkennt man, bei welchem Parasitentypus die Chancen für einen ruhige(re)n Abgang gut stehen ...

    Zu "deinem" Straßenrowdy:
    Wenn jemand mit dem emotionalen Entwicklungsstand und der Erwartungshaltung eines 16 Monate alten Kleinkindes im Körper und mit dem (sonstigen) Gehirn eines Erwachsenen unterwegs ist, am besten noch im Straßenverkehr, dann kann's eng werden. Japp, nie wieder zu ihm einsteigen. Vielleicht Nummernschild aufschreiben und den Problemfahrer mal melden ...

    Je nach Größe der Maschine, die er zu bedienen gedenkt, wäre der Umkreis mehr oder weniger weiträumig zu evakuieren, sofern möglich.
    Oder stets ein Shirt/einen Pullover tragen mit der Aufschrift:

    "If you see me running
    try to keep up!"

    ;)

    So long,
    №17

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