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Donnerstag, 8. September 2011

Primitive Rituale

Ich bin jetzt durch zweimaligen Zufall auf soziale Gruppen gestossen, die beide eine zumindest im Kern der Gruppe eine ähnliche Sozialstruktur zu haben scheinen und konnte diese auch einige Zeit lang studieren.

Die Festigkeit der tatsächlichen Bindungen der Gruppe als Gesamtes war in beiden Fällen relativ lose. Gespräche auf Gruppenniveau waren eher zwanglos und oberflächlich. Allerdings gab es in einer Gruppe ein gemeinsames "Motto", was der anderen Gruppe eindeutig fehlt. Man traf sich gelegentlich zu Feierlichkeiten und hielt sonst mehr oder weniger losen Kontakt.

Interessant war für mich in beiden Fällen, dass es in beiden Gruppen eine Art "Alpha-Männchen" gab. In beiden Fällen war das betroffene Alpha-Männchen überheblich-arrogant, allerdings vor allem gegenüber der Frauenwelt lügnerisch-charmant. Entsprechend den Verhaltensweisen eines Soziopathen schien das Alpha-Männchen dabei aber meistens ruhig und gelassen, quasi "losgelöst von den Problemen der Umwelt".

Wie das Alpha-Männchen jeweils seinen Führungsanspruch initial durchsetzte, war mir unklar. Ich wurde aber mehrfach Zeuge, auf welche Art und Weise das Alpha-Männchen seine Position aufrecht erhielt:
  • Jedes männliche Mitglied der Gruppe wurde vom Alpha-Männchen  beschnüffelt, ob es für den Herrschaftsanspruch des Alphas eine Gefahr darstellte.
  • Reihte sich das Mitglied brav in die Reihe der Bewunderer ein, gab es kein Problem. Es wurde weiter mit Großartigkeitsnachrichten über das Alpha-Männchen versorgt, damit Neid und Respekt entstand.

    Eines der Alpha-Männchen war zum Beispiel oft im Urlaub, wobei einige der Urlaubsreisen sich inzwischen im Nachhinein als erfunden herausgestellt haben. Über diese wurde öffentlich erzählt, um den Eindruck eines sorglosen Luxuslebens zu erwecken.
  • Äußerte das neue Mitglied Kritik oder wurde anderweitig auffällig, so wurde es zunächst durch leichte Demütigungen in die Schranken gewiesen.

    So wurden in einem Fall beleidigende Spitznamen erfunden. Dabei schaffte es das Alpha-Männchen meistens mit erstaunlichen Feingefühl, offensichtliche Proteste zu verhindern. Man ließ ihn gewähren, weil man nicht den Anschein erwecken wollte, sich wegen Kleinigkeiten aufzuregen.
     
  • Äußerte eine Person deutlicher Kritik, begann das Alpha-Männchen mit der gruppenweiten Demontage der Person. In Abwesenheit wurden Lügen gestreut und abwertende Aussagen gemacht.

    So wurde ich selbst von dem einen Alpha informiert, dass zwei andere Personen "Störenfriede" seien und ich mit meiner Kritik an deren Verhaltensweise doch bitte weitermachen sollte. Würden diese sich provozieren lassen, wäre ihm die Möglichkeit gegeben, ihr aggressives Vorgehen öffentlich schlecht zu machen.

    Bei Konflikten innerhalb der Gruppe war das Alpha-Männchen immer auf der Seite der Person, die ihm an wenigsten "an den Karren" fahren konnte. Dadurch wurde eventuelle Konkurrenz ausgeschaltet und dafür gesorgt, dass die Gruppe eine Zugehörigkeitsgefühl zum "beschützenden Alpha" hatte.

    Sehr interessant war hierbei zu beobachten, dass das Alpha fast nie belegbare Aussagen machte. Verlangte ein Angegriffener Rechtfertigung, wurde dies zumeist ignoriert. Eine öffentlichliche Austragung des Konflikts wurde vermieden. Es waren immer die Konkurrenten des Alphas, die den Konflikt öffentlich machten, womit sie sich in der Gruppenmeinung selbst zum "Unruhestifter" machten.
  • War sich der Alpha der negativen Gruppenmeinung über eine Person relativ sicher, kam es auch zu öffentlichen Beleidigungen und Demütigungen. Hierzu wurden dann auch andere "willige" Gruppenmitglieder eingespannt. In den allermeisten Fällen verließen die so attackierten dann freiwillig die Gruppe.

    Eines der Alpha-Männchen ging aber sogar so weit, Personen außerhalb der eigentlichen Gruppe vor dem Flüchtling zu warnen und auch dort Lügen zu verbreiten.

    Auch eine Strafanzeige wegen Beleidigung, Verleumdung, übler Nachrede und Nachstellung hindere das Alpha-Männchen nicht an diesem Tun.  Erst eine anwaltliche Abmahnung schien den Betroffenen dezenter werden zu lassen.

Was mir besonders auffiel, ist die Tatsache, dass das Alpha-Männchen in beiden Fällen eine Art Initiationsritual für weibliche Mitglieder der Gruppe durchführte. Ledige, hinreichend ansehnliche (und möglichst Junge) neue Mädchen, die neu zur Gruppe fanden wurden väterlich umschwärmt. Hierbei stellten die Alphas immer ihre Führungsposition in der Gruppe und vor allem ihre persönliche Überlegenheit über alle anderen Anwesenden deutlich hervor. Ziel dieser Aktion war es wohl, die entsprechenden Damen durch eine Art "primæ noctæ"-Ritual zu markieren. Ob der primitiven und offensichtlich gelogenen Komplimente ist mir der Grund für den nicht wegzuleugnenden Erfolg dieser Methode immer noch mehr als schleierhaft. In jedem Fall war der vom Alpha betriebene zeitliche und finanzielle Aufwand meist sehr gering. Trotz offensichtlicher Gegenbeweise glaubten anscheinend viele der betroffenen Frauen, dass die Handlungen in gegenseitigem Respekt und Wertschätzung stattfanden. Oft bemerkten sie die Abwertung ihrer Person erst nachträglich in den späteren Äußerungen der Alphas.

Einer der Alphas verbreitete zum Beispiel die Botschaft über seine neueste Errungenschaft bereits via Internet, während das neueste Opfer noch in seinem Bett schlief. Die betroffene junge Dame will aus dieser offensichtlichen Verdinglichung ihrer Person bis heute keine entsprechenden Schlüsse ziehen.

Frauen, hingegen, die sich weigerten oder sogar die verlogene Art des Alphas anprangerten. wurden innerhalb der Gruppe wie oben beschrieben attackiert. Empfanden die betroffenen Damen nach der Markierung Scham oder Wut, gaben sie sich oft selbst die Schuld. Griffen Sie das Alpha an, wurden sie ignoriert und diffamiert.

Insgesamt zeigt sich mir das Bild einer sehr primatenhaften Sozialkultur, die sich selbst dadurch aufrecht erhält, dass nur Personen zur Gruppe zugelassen werden, die bereit sind, den vom Alpha vorgegeben Spielregeln zu folgen. Eine Hinterfragung durch die unbetroffenen Gruppenmitglieder fand selten statt. Auch die Kenntnis der polizeilichen Vorladung eines der Alpha-Männchens wegen einschlägiger Delikte, führte nicht zu einer Hinterfragung des Situation. Eines der Alpha-Männchens verwendet sogar die angebliche Anzeige wegen "Verführung Minderjähriger" gegen den Alpha ("§ 182 Sexueller Mißbrauch von Jugendlichen" bezeichnet ein Antragsdelikt, die behauptete Anzeige durch Dritte ist also mehr als fraglich), um einen Unliebsamen als "Unruhestifter" zu brandmarken.
Wir finden hier scheinbar eine ganze Reihe primitiver, unhinterfragter Manipulationsmethoden, die auch durch Aufklärung einzelner Gruppenmitglieder nicht beendet werden können. Ein wichtiger Bestandteil der Gruppendynamik ist wohl die lose Bindung. Da wenig bis keine soziale Verantwortungsübernahme stattfindet, kann das Alpha seine Doktrin ungehindert durchsetzen. Die "nicht mein Problem"-Aussage ist häufig zu finden. Deutlich zeigen sich daher alle Mechanismen von Gruppendenken.
Durch die so aktive Rolle des Alphas in beiden Gruppen gehe ich davon aus, dass das Alpha-Männchen in beiden Fällen an oder an Vorformen von malignem Narzissmus oder der Steigerung, einer antisozialen Störung (Soziopathie) leidet.

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