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Donnerstag, 4. August 2011

Ich war so wütend

Diese Geschichte ist erfunden. Ich halte sie allerdings (leider) für sehr realtitätsnah.


    "Ich war so wütend"

schluchzt der Verurteilte nervlich völlig am Ende dem einzigen seiner Freunde vor, der ihm während des Verfahrens beigestanden hatte.  Um Verständnis scheint er zu betteln "Ich war so wütend. Dass muss man doch verstehen, dass ich da so ausgerastet bin."

Vor Gericht klang alles eher nüchtern und klar: Der Betroffene hatte versucht, den Kläger durch gezielte Lügen und andere Angriffe massiv in Misskredit zu bringen. Zuerst war dem Kläger das noch egal, "Kleinigkeiten", wie er selbst (und auch die Staatsanwaltschaft später) dachte. Aber nachdem die Lügengeschichten des jetzt Verurteilten kein Ende nahmen, war der Geschädigte es irgendwann leid. Fast jede Woche kam ein neuer seiner Bekannten zu ihm und fragte, warum der Angeklagte derartige Hassparolen verbreitete: Der Kläger würde ihn belästigen, dauernd beleidigen und Lügen über ihn verbreiten.  Einen solchen Menschen müsse man doch hassen, das ginge ja gar nicht anders.  Wahr war an diesen Lügengeschichten nichts. Gestritten hatten sich Kläger und Angeklagter; und offensichtlich kam der Angeklagte dabei schlecht weg und fühlte sich als Opfer.

Irgendwann war es dem Kläger dann zu dumm mit diesen Angriffen und er schaltete einen Anwalt ein. Es folgte zunächst die Abmahnung mit Kostennote und dann die Schadensersatz- und Unterlassungsklagen. Das Hauptverfahren ließ natürlich auf sich warten, aber es kam ... und es war gnadenlos.

Der Verurteilte sitzt nun vor dem Gerichtsgebäude und versteht die Welt nicht mehr. Er habe sich doch nur verteidigt, weil diese böse Person ihm so zugesetzt hätte. Doch das Gericht hat anders entschieden: Der Ausgangspunkt der Aggression läge ganz klar beim Angeklagten. Deutlich würdigte das Gericht die Bemühungen des Klägers, die Situation zu de-eskalieren, obwohl ihm offensichtlich nur Hass entgegenflog.

Das Besondere an diesem Fall: Die Verurteilte ist eine junge Frau. Typischerweise kommen derartige Fälle nur mit Männern als Angeklagten vor. Dann geht es aber meist um Körperverletzung und weniger um Persönlichkeitsrechte. Frauen fallen  tatsächlich weniger durch körperliche Gewaltausübung auf.

So einige, insbesondere Feministinnen, ziehen daraus die Schlussfolgerung, Frauen wären weniger aggressiv. Den Psychoterror, den aggressive Frauen gegenüber unliebsamen Mitmenschen entfachen können, blenden sie wohl bewusst oder unbewusst aus dieser Bewertung aus. Ich stelle für mich fest: Frauen sind unbedingt nicht weniger aggressiv, aber ihre Aggression findet andere Ausdrucksformen.

Ich weiß, es klingt pauschalisiert, aber die angegriffene Frau manipuliert und intrigiert eher, als deutliche Worte zu finden. Die Resultate sind viel effektiver, viel brutaler und grausamer, und werden vom Gesetzgeber viel sanfter geahndet, als die Neandertaler-Methoden der männlichen Seite. Aus einer Position der vermeintlichen Unterlegenheit und mit praktiziertem Opfergefühl "wehrt" sich frau auf verschlungenen, aber genauso üblen und rechtswidrigen Wegen.

So ist zum Beispiel eine heulende Frau, die ihren gesamten Hass auf eine bestimmte Person nur in Worte packt, für weniger beherrschte Männchen ein guter Grund, den Knüppel auszupacken und dem bösen Menschen eins auf den Deckel zu geben. Frau nimmt das dann billigend in Kauf und fühlt sich angemessen beschützt. Oder aber der Gehasste erfährt irgendwann von Bekannten, sie hätten sich deswegen so lange nicht gemeldet, weil es ja da diese Vergewaltigungsvorwürfe gäbe. Alternativ flattert einem gleich eine anwaltliche Abmahnung ins Haus. Und selbst wenn man auf die schon gewartet hat, wundert man sich schon ob der interessanten Darstellung der Tatsachen, die sich darin findet (und welche Straftaten man begangen haben soll, die man gar nicht begangen haben kann). Diese Rechtfertigungsnot kann einem ganz zusetzen und man fühlt sich demgegenüber wohl ziemlich hilflos.

Und es gibt tausend Wege, wie sich das gekränkte Weibchen noch an einem rächen kann: Es werden Gerüchte verbreitet, Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und das passende Urteil gleich mitgeliefert. Das macht man als Weibchen am besten aus der Position des hilflosen kleinen Mädchen, das nur versucht, mit der Situation klarzukommen. Hübsche Sätze sind zum Beispiel "diese Beleidigungen und Drohungen setzen mir schon sehr zu". "Bei Fortsetzung dieses Verhaltens werde ich rechtliche Schritte einleiten" ist auch tatsächlich eine Drohung, das muss man zugeben. Diese ist natürlich auch völlig überzogen, denn was kann das arme kleine Mädchen denn schon Böses tun (man denke sich die großen Kulleraugen dazu).

Alternativ wird zum Beispiel ein Kritiker mit persönlichen Informationen oder neuen Beleidigungen versorgt, damit sie "auch richtig hart treffen". Diese Masche der "Angriffe durch Manipulation Dritter" ist besonders hinterhältig ... und besonders weiblich.

Doch irgendwann hat es dann doch gereicht.  In mühsamer Kleinarbeit hat der Anwalt der Anklage die einzelnen Delikte beschrieben und die Lügen widerlegt. Der Richter hat ihm geglaubt.

    "Ich war so wütend"

war die unter Tränen gestammelte Aussage der Verurteilten nach Verkündigung des Urteils. Mehrere Tausend Euro Schadensersatz muss sie zahlen.  Auf die Privatklage und damit die strafrechtliche Verfolgung hat der Geschädigte verzichtet. Er will seine Ruhe, keine Rache.

Der Gang nach Canossa steht der Verurteilten aber trotzdem noch bevor: Der Richter hat ihr auferlegt, dass sie die Lügengeschichten bei den Betroffenen richtigstellen muss. Bei jedem einzelnen der genannten Zeugen vorstellig werden und die Sache klären, wird ihr sicher keinen Spaß machen. Vor allem, wenn deutlich wird, dass ihre "ich armes Mädchen"-Masche nur der eigenen Vorstellung entsprungen ist und mit der Realität wenig zu tun hat.

So wütend war sie, dass ihre Wut keine Grenzen mehr kannte. Wegen Verleumdung, übler Nachrede, Beleidigung, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Beihilfe zu anderen Straftaten wurde sie belangt. Aber weil unsere Gesellschaft Frauen wohl keine Gewalt zutraut, bleibt weibliche Aggression oft unbestraft. Dabei hat sie oft viel deutlichere Folgen als das blaue Auge des abendlichen Kneipengerangels.

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